Der Währungskommissar will den großen Wurf. Er fordert mehr Macht. Nur dann, so seine Prophezeiung, ist der Euro fit für die Zukunft. "Wir müssen die wirtschaftliche Steuerung des Euroraums weiter verbessern, indem wir starke, verbindliche politische Verpflichtungen eingehen", sagt er. "Jetzt müssen wir die Koordinierung der Haushalts- und Wirtschaftspolitik verbessern." Währungskommissar Joaquin Almunia hat nur ein Problem. Seine Vorschläge kommen zu früh. Im Mai 2008 sind die Euro-Staaten zu solch weitreichenden Einschnitten in ihre Souveränität nicht bereit.

Fast genau zwei Jahre später, am 6. Mai 2010 schreiben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy einen Brief an den Ratspräsidenten Herman van Rompuy. Ihr wichtigster Vorschlag zur Euro-Rettung: "Zunächst müssen wir die wirtschaftspolitische Koordinierung für den Euroraum stärken."

Plötzlich geht alles ganz schnell. Gerade erst ist die Währung mit einem 750-Milliarden-Euro-Paket gestützt worden, da füllt der neue Währungskommissar Olli Rehn die abstrakte Forderung der deutsch-französischen Euro-Achse bereits mit Leben. Mittwochmittag trat er vor die Presse. Kaum ein Platz blieb leer, die Welt hört ihm jetzt zu.

Darauf hat die Kommission nur gewartet. Rehn setzt um, was Almunia nicht durfte, weil ihn nationale Regierungen – auch die deutsche – bisher ausbremsten. Konkret fordert er, dass die Euro-Länder ihre Haushaltsplanung zunächst mit Brüssel abstimmen und erst dann in den nationalen Parlamenten debattieren.

Die Brüsseler Beamten sehen dazu keine Alternative. Schließlich hätten es die Mitgliedsstaaten versäumt, in guten Zeiten Puffer für Krisen aufzubauen. Künftig soll härter bestraft werden, wer Brüssels Auflagen nicht erfüllt. Sanktionsmöglichkeiten gib es viele: Von verzinslichen Einlagen der Sünder bis hin zur Kürzung von EU-Mitteln, etwa bei Strukturfonds.