Deutschlands mächtigster Banker hat einen Kronprinzen: Der Chef des Investment-Bankings, Anshu Jain (47), ist der aussichtsreichste Kandidat für die Nachfolge von Josef Ackermann . Sein Kernbereich hat im vergangenen Jahr rund 80 Prozent zum Gewinn der Deutschen Bank von fünf Milliarden Euro beigetragen.

Lange hat sich die Deutsche Bank schwer getan, eine schlüssige Nachfolgeregelung für Josef Ackermann zu finden. Die Suche nach dem künftigen Vorstandschef ist vor allem eine Geschichte von Kehrtwenden - und mindestens einer großen Intrige.

Eigentlich sollte Ackermann heute in Rente sein. Im Februar 2006 verlängerte der Aufsichtsrat den Vertrag des damals wegen des Mannesmann-Prozesses schwer angeschlagenen Managers bis zur Hauptversammlung am 27. Mai 2010. Ackermann hat stets beteuert, Deutschlands größtem Geldhaus mit diesem Datum den Rücken zu kehren.

Es kam anders. Völlig überraschend verlängerte die Deutsche Bank im April 2009 den Vertrag ihres Vorstandsvorsitzenden bis 2013. Vom Wunsch des Aufsichtsrats, von erfolgreicher Arbeit Ackermanns und Kontinuität in Zeiten der Krise war damals die Rede. Doch schon wenige Stunden nach dem Versand der Mitteilung ist klar: Das ist bestenfalls die halbe Wahrheit.

Die vollständige sieht - glaubt man Insidern - ganz anders aus. Ex-Finanzchef Clemens Börsig, seit Mai 2006 an der Spitze des Aufsichtsrats, wollte sich selbst auf den Chefsessel hieven und stellte sich zu Wahl. Doch das Kontrollgremium winkte ab. Fazit des Ränkespiels: Ackermann musste bleiben, Börsig durfte bleiben.

Seit dieser Blamage hegt niemand in der Bank Zweifel daran, dass Ackermann selbst die Planungen für die Zeit nach ihm leitet. Er selbst räumte es kürzlich auf der Hauptversammlung sogar ein: Börsig und er seien "seit einigen Monaten intensiv im Gespräch" über die Nachfolge.

Dass es auch geordneter zugehen kann, zeigt ein Blick auf den in der Krise mindestens genauso erfolgreichen US-Konkurrenten J.P. Morgan. Dessen Chef Jamie Dimon ließ seine Aktionäre im April unmissverständlich wissen, dass die Suche nach einem Nachfolger "Priorität Nummer eins" sei. Die US-Bank schickt deshalb mehrere Kandidaten von einer Sparte zur nächsten, um sie besser auf den möglichen Job an der Spitze vorzubereiten. Von ähnlichen Konzepten ist bei der Deutschen Bank nichts bekannt.