Das gewaltige Euro-Rettungspaket ist unter Dach und Fach. Die Finanzminister der Euroländer einigten sich in Luxemburg darauf, als letzten Schritt eine Zweckgesellschaft zu gründen. Im Notfall soll diese am Kapitalmarkt Kredite für kriselnde Partnerstaaten aufnehmen. Anders als beim Kreditpaket für Griechenland steuern die Euroländer aber direkt kein Geld bei, sondern bürgen für die Kredite in Höhe ihrer jeweils festgeschriebenen Teilbeträge. Für Deutschland beläuft sich dieser Anteil auf bis zu 148 Milliarden Euro, wie von Bundestag und Bundesrat bereits beschlossen .

Die neue Zweckgesellschaft wird Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) heißen und als GmbH nach luxemburgischen Recht geführt. Luxemburg ist zunächst einziger Aktionär und überträgt dann später die Anteile an weitere Staaten. Das soll noch im laufenden Monat passieren. Die Gesellschaft soll möglichst die Bestnote der Rating-Agenturen erreichen, um das Geld zu niedrigsten Zinsen zu bekommen. Die Geschäftsführung übernehmen die Finanzstaatssekretäre der beteiligten Länder. Zusätzlich soll ein Chef in den kommenden Tagen ernannt werden.

Die Euro-Gruppe hatte im Mai ein bis vor Kurzem noch völlig unvorstellbares Kreditprogramm vereinbart, um eine Ausbreitung der griechischen Krise zu verhindern. Insgesamt beläuft sich das Volumen des Rettungspakets auf 750 Milliarden Euro. Es besteht aus 440 Milliarden Euro Kreditgarantien der Euro-Staaten, die von der nun gegründeten Zweckgesellschaft verwaltet werden. Hinzu kommen 60 Milliarden Euro an sofort verfügbaren Krediten der Europäischen Union sowie 250 Milliarden Euro Darlehen des IWF.

Neben dem Rettungspaket wollen die Euroländer das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung mittels Sparprogrammen wieder herstellen. "Wir lassen keinen Zweifel an der Entschlossenheit, die Verschuldung zu stoppen und umzukehren", sagte der Chef der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker. Er äußerte sich daher auch positiv im Hinblick auf den Sparkurs in Berlin . "Ich bin sehr dafür, dass es auch in Deutschland einen Ruck in Richtung der Konsolidierung der öffentlichen Finanzen gibt." Deutschland sei aber nicht das größte Problem in der Euro-Zone.

Dass der Euro am Montag zeitweilig unter die Marke von 1,19 US-Dollar und damit auf ein neues Vier-Jahres-Tief rutschte, bereitet auch den Finanzministern Kopfzerbrechen. Zwar sei er nicht besorgt über den aktuellen Wechselkurs, sagte Juncker. "Ich bin aber besorgt über die Plötzlichkeit, mit der der Euro fällt." Tatsächlich hat der Euro seit November 2009 im Vergleich zum Dollar etwa 20 Prozent an Wert eingebüßt.

Trotz ihrer schwersten Krise will sich die Euro-Zone aber vergrößern. Die Finanzminister sprachen sich dafür aus, die Baltenrepublik Estland als 17. Mitglied im Januar 2011 aufzunehmen. Zuvor hatten schon die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank die Erfüllung aller Kriterien bescheinigt . Der Beitritt muss noch von den Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten auf ihrem Gipfel Mitte Juni befürwortet werden.