Die USA und Europa finden kein gemeinsames Rezept , um die Weltwirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Beim G-8-Gipfel im kanadischen Huntsville verteidigte US-Präsident Barack Obama seine Politik staatlicher Konjunkturpakete auch auf Pump. Genauso entschieden beharrten die Europäer auf ihrem geplanten Schuldenabbau.

Passend zum G-8- und dem anschließenden G-20-Gipfel in Kanada können die USA schärfere Spielregeln für die Bankenbranche vorweisen. Die Vereinigten Staaten gehen damit im Vergleich zu den anderen führenden Wirtschaftsnationen (G 20) in Vorlage. Nicht einmal die Europäer, die nach dem Fast-Zusammenbruch des globalen Finanzsystems im September 2008 harte Konsequenzen angekündigt hatten, sind hier annähernd so weit.

Unter dem Eindruck einer schwachen Konjunktur nannte Obama als sein wichtigstes Ziel "dauerhaftes und robustes Wachstums" , wie US-Regierungsbeamte am Freitag berichteten. Sein Finanzminister Timothy Geithner forderte, die Nachfrage weiter auch auf Pump anzukurbeln.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beharrte bei dem Treffen der sieben führenden Industriestaaten und Russlands (G 8) hingegen darauf, die Schulden angesichts der anziehenden Wirtschaft abzubauen. Nur so könne die Weltwirtschaft nach der schweren Rezession dauerhaft gesunden. "Wir haben jetzt aber auch wieder robuste Wachstumsraten", sagte Merkel. "Deshalb ist es jetzt auch an der Zeit, die Defizite zu reduzieren".

Aus US-Kreisen war zu hören, dass Obama den Schuldenabbau auf dem Weg aus der Krise nicht rundweg ablehnte. "Ein Teil dieser Strategie ist die Reduzierung der Haushaltsdefizite", hieß es. Doch angesichts des labilen Aufschwungs und einer Arbeitslosigkeit von fast zehn Prozent, kommt den USA Europas Drang aufs Sparen zu früh. Allenfalls "mittel- und langfristig", so Obama, will Washington Haushaltskonsolidierung zur Hauptpriorität machen. Der Streit ist also eigentlich ein Streit über den richtigen Zeitpunkt für das Ende der Krisenmaßnahmen. "Die Staats- und Regierungschefs waren sich einig, dass beim Timing keine Fehler gemacht werden dürfen", berichtete der Sprecher des japanischen Ministerpräsidenten Naoto Kan. Ob und wann die Krise aber wirklich vorbei ist, darüber herrscht auch in Berlin Rätselraten.

Trotz alledem: Aus der Delegation der Europäischen Union hieß es, Obama, Russlands Präsident Dmitri Medwedew und Japans Premier Naoto Kan hätten die europäischen Partner für ihr Krisenmanagement gelobt. Auch Merkel war bemüht, jede Schärfe aus der Debatte zu nehmen. Sie sprach von einer guten Atmosphäre. "Die Diskussion war nicht kontrovers und sie war von gegenseitigem großen Verständnis geprägt."

Nach der ersten Arbeitssitzung beim G-8-Gipfel zeigte sich die Kanzlerin enttäuscht, dass die von ihr geforderte Bankenabgabe und eine Steuer auf Spekulationsgeschäfte international nicht durchzusetzen sind. Vor allem in der Gruppe der führenden Wirtschaftsnationen der Erde (G 20) sei die Ablehnung stark.

Kanadas Premier und Gastgeber Stephen Harper organisierte den Widerstand gegen die Pläne. Auf seiner Seite sind unter anderem Brasilien und Australien. Die Länder sträuben sich, weil ihre Banken glimpflich durch die Krise kamen. Im Entwurf der G-20-Abschlusserklärung ist dann auch von einer Bankenabgabe keine Rede.