Der Euro steht seit November 2009 massiv unter Druck. Marktteilnehmer und Öffentlichkeit diskutieren das Scheitern der Währungsunion. Spekulative Attacken gegen den Euro insbesondere aus den Finanzzentren London und New York bestimmen das tägliche Bild. Der IWF springt Europa mit einem massiven Hilfspaket zur Seite.

Die Lage der Euro-Zone könnte man vor diesem Hintergrund als prekär beschreiben. Innerhalb von sechs Monaten hat sich das Bild der Euro-Zone von höchster internationaler Attraktivität zum Aschenputtel des Devisenmarkts gewandelt. Aber eine solche Wahrnehmung hält einer sachlichen Prüfung nicht im geringsten Stand.

Die Krise der Euro-Zone wurde maßgeblich durch die Entwicklung des griechischen Staatsdefizits ausgelöst. Im Jahr 2009 betrug das öffentliche Defizit rund 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), die Gesamtverschuldung lag bei rund 115 Prozent der Wirtschaftsleistung. Griechenland muss derzeit rund 30 Prozent der Steuereinnahmen für Zinslasten aufwenden. Damit bewegt sich das Land mit Mühe und Not am Rande der Gefahrenzone für einen Staatsbankrott. Aber eben nur am Rande: Die Geschichte der vergangenen 60 Jahre hat gelehrt, dass Staatsbankrotte erst bei Belastungen von mehr als 40 Prozent der Steuereinnahmen auftreten. Eine Pleite Griechenlands stand nicht zur Debatte. 

Erst die zaudernde Haltung der deutschen Bundesregierung bei der Zustimmung zu den Hilfspaketen und die daraus resultierenden verstärkten Spekulationen zerstörte die Kapitalmarktfähigkeit Griechenlands. Das Land liefert aber nur rund drei Prozent der Wirtschaftsleistung innerhalb der Währungsunion. Die gesamte Euro-Zone auf Basis Griechenlands zu beurteilen, ist so klug, wie den US-Dollar anhand der Lage Detroits zu bewerten.

Betrachtet man die gesamte Euro-Zone, ergibt sich ein ganz anderes Bild: Das öffentliche Defizit im Euro-Raum belief sich im Jahr 2009 auf 6,5 Prozent des BIP. Zum Vergleich: In Japan waren es neun Prozent, in den USA rund 12 Prozent. Das Defizit Großbritanniens betrug gar 13 Prozent. Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung war die Euro-Zone der Stabilitäts-Champion innerhalb der etablierten großen Industrieregionen.

Die Länder der Euro-Zone haben bereits Ende 2009 das Thema Restrukturierung und Reform vorangetrieben. Die Reformprogramme, die derzeit in der Umsetzung stehen, haben eine historische Dimension. Nie zuvor seit der Gründung der EU gab es stringentere Maßnahmen. Die Länder der Euro-Zone und die EU-Kommission – mit Unterstützung des IWF – bellen nicht nur. Sie beißen. Die Länder Südeuropas erleben durch die Reformen markante Veränderungen ihrer Geschäftsmodelle, auch die Effizienz in der Verwaltung wird steigen. Das bringt potentiell höhere Einnahmen mit sich.