"Wir hatten zu dem Zeitpunkt schon Zusagen, dass unser Werk im Sommer 2010 viel stärker ausgelastet sein würde als damals", sagt der Personalleiter. "Solche Verträge werden meist sehr langfristig vereinbart." Innerhalb eines Jahres würden sie ihre Produktion um ein Drittel vergrößern, statt 30.000 mehr als 40.000 Teile herstellen. Besserung war absehbar. Für die Firma eine schwierige Situation. "Hätten wir die Mitarbeiter neu eingestellt, hätten wir sie einarbeiten müssen", sagt Telke. "Das dauert bei uns aber bis zu drei Monate." Also beantragte Proseat die Kurzarbeit in Espelkamp.

Für Civan Erdemenseli war das keine völlig neue Erfahrung. Kurzarbeit hatte er schon einmal mitgemacht, wenn auch unter ganz anderen Bedingungen. "Beim ersten Mal habe ich mir schon Sorgen gemacht, wie es weiter geht. Aber diesmal war ich deutlich gelassener", sagt er. "Das ging eigentlich allen hier so. Wir haben lieber nach oben und nach vorne geblickt, statt uns Sorgen zu machen."

Das liegt auch daran, dass die Beschäftigten in Espelkamp die Lasten untereinander aufteilten. In manchen Betrieben werden nur einzelne Abteilungen in Kurzarbeit gesetzt, hier aber lief es anders. Für den Zeitraum eines Jahres mussten jeden Monat 60 der verbliebenen 300 Beschäftigten kurzarbeiten. "Damit es nicht zu ungerecht verteilt ist, haben wir jeden Monat rotiert", sagt Detlef Spreen, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende. Die Belegschaft stand zusammen. Niemand sollte mehr leiden als andere.

Es klingt wie ein modernes Märchen, aber es ist die Wirklichkeit. Ende des Monats läuft die Kurzarbeit aus und die Geschäfte laufen sogar so gut, dass die Firma 30 neue Mitarbeiter will. Darunter auch einige, die im November 2008 ihren Job verloren haben. Dafür verzichtete jeder Beschäftigte bei Proseat im Endeffekt auf etwa 400 Euro, nicht mehr als 35 Euro pro Monat. Wenn Civan Erdemensili daran denkt, dann lächelt er. "Ein paar Mal nicht mit den Kindern zu McDonalds zu gehen und dafür seinen Job behalten: Ich finde, das ist ein fairer Preis", sagt er. "Am Ende hat eben alles gepasst."