Zum Ende ihres Gipfeltreffens in Toronto haben sich die Staats- und Regierungschefs der G-20-Länder einmütig zu einer wachstumsfördernden Politik und zur Haushaltssanierung bekannt. Anhaltende Unterschiede gab es aber in der Frage, wie das Wachstumsziel mit der Budgetsanierung in Einklang gebracht werden kann.

Die USA und einige Schwellenländer warnten in dieser Frage vor einem zu strikten Sparkurs und plädierten für weitere Konjunkturprogramme, um die Binnennachfrage vor allem in Exportländern zu steigern. Erneut mahnte US-Präsident Barack Obama mehr Wachstum an, äußerte aber auch für die Sparpolitik der Europäer Verständnis. Jedes Land habe eigene Bedingungen und Interessen, sagte er. Ausdrücklich nannte er etwa Deutschlands ausgeprägten Willen zur Etatkonsolidierung.

Den Bedenken der USA trägt eine Passage in dem Abschlussdokument Rechnung, demzufolge Handelsungleichgewichte ausgeglichen werden sollen. Obama betonte nach dem Treffen, dass die US-Verbraucher nicht wie bei früheren Aufschwüngen der Motor der Weltwirtschaft sein würden.

Nach Jahren der übermäßigen Verschuldung können und werden die Amerikaner der Welt nicht "anhaltenden Wohlstand auf Pump kaufen können", sagte Obama. "Kein Land sollte davon ausgehen, dass es seinen Weg zum Wohlstand mit Exporten nach Amerika pflastern kann." Obama machte aber auch klar, dass auch er mittel- und langfristig die hohen amerikanischen Staatsschulden abbauen will.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hob besonders die erzielte Vereinbarung über den Schuldenabbau hervor, wonach die großen Industrieländer bis 2013 ihre riesigen Haushaltsdefizite halbieren und bis 2016 sogar ganz ohne neue Schulden auskommen sollen. Die Europäer wollten nach den Milliarden Euro teuren Programmen zur Krisenbekämpfung nun zur Konsolidierung übergehen, sagte sie. "Das ist mehr, als ich erwartet habe." Die Haushaltsvorgaben sollen nur für die entwickelten Industriestaaten, nicht aber für die Schwellenländer gelten.

Zufrieden mit dem Abschlusstext zeigten sich auch Vertreter der Schwellenländer. "Unsere Positionen sind alle vertreten", sagte Brasiliens Finanzminister Guido Mantega. Seinem Land sei es wichtig, dass die Sparbemühungen nicht die Wachstumsimpulse abschwächten.

Was die Frage neuer Abgaben und Steuern für den Bankensektor angeht, fanden die G-20-Staaten jedoch keinen einheitlichen Weg. "Wir sind uns einig, dass der Finanzsektor einen gerechten und substanziellen Beitrag für die Begleichung jener Kosten leisten sollte, die durch die staatlichen Eingriffe entstanden", heißt es in der Abschlusserklärung mit Blick auf die Staatsausgaben zur Bankenrettung. Einige Länder wollten eine Abgabe für Finanzinstitutionen erheben, heißt es weiter. "Andere Länder verfolgen andere Ansätze."

Merkel sagte, einig sei man sich immerhin, dass nicht vor allem der Steuerzahler die Kosten der Krisen finanzieren sollte. Europa sei nun frei, für sich eigene Lösungen zu finden. Deutschland und Frankreich gehören zu jenen Ländern, die solche Abgaben gerne G-20-weit umgesetzt gesehen hätten. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sagte, die Staatengemeinschaft habe ausdrücklich "die Möglichkeit einer Besteuerung von Banken als legitim anerkannt".