Für die meisten Ökonomen ist die Frage trivial: Wie entscheidend ist die Steuerlast in verschiedenen Ländern dafür, wo Unternehmen investieren und Jobs schaffen? Volkswirte wissen seit langem: Die Höhe der Steuern ist einer der zentralen Faktoren für Standortentscheidungen von Firmen.

Nur: In der Politik ist diese Erkenntnis bestenfalls partiell angekommen, wie eine Umfrage unter Bundestagsabgeordneten zeigt. Einzig Liberale und Christdemokraten sprechen Steuern im Zusammenhang mit Standortentscheidungen von Unternehmen eine wichtige Rolle zu - Grüne und Linke halten sie für ziemlich unwichtig. "Politiker passen sich die Welt so an, wie sie ihnen gefällt", sagt Friedrich Heinemann, Wissenschaftler am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), der 157 Bundestagsabgeordnete befragt hat.

Fehlt Politikern der ökonomische Sachverstand? Oder müssen Ökonomen ihre Botschaften anders verpacken, um bei Wählern und Regierungen Gehör zu finden?

Bislang spielten diese Fragen in der ökonomischen Politikberatung kaum eine Rolle. Traditionell suchen Volkswirte nach den besten Lösungen für wirtschaftliche Probleme - wie sie aber die nötige Akzeptanz für die Umsetzung finden, darüber haben sie sich bislang kaum Gedanken gemacht.

Mannheimer Wissenschaftler wollen das jetzt ändern. Sie wollen verstehen, wie Politiker und Wähler ticken - denn sie haben begriffen: So wie bisher kommt ihre eigene Zunft nicht weiter. Wer im luftleeren Raum argumentiert, dem fehlt die politische Durchschlagskraft. Um zu lernen, wann und wie Reformpolitik durchsetzbar ist, suchen die Mannheimer Forscher nach den Ursachen für den Erfolg oder das Scheitern politischer Reformen; und sie analysieren die Wünsche von Wählern, Parteien und Interessengruppen.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt sie dabei. Im November gab sie Volkswirten und Politikwissenschaftlern der Universität Mannheim grünes Licht für einen neuen Sonderforschungsbereich (SFB) namens "Politische Ökonomie von Reformen". Seit Jahresbeginn zahlt die DFG vier Jahre mehr als zwei Millionen Euro per annum.