Das umfassendste Sparpaket der jüngeren deutschen Geschichte polarisiert: Koalitionsvertreter halten es für unabdingbar, Opposition und Gewerkschaften kündigen Widerstand an . Auch Wirtschaftsvertreter sind uneins: Der Chef des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, sieht die Konjunktur durch das 80-Milliarden-Euro-Sparpaket kaum beeinträchtigt. "Wir sind heute in einem starken Konjunkturaufschwung, in dem man Konsolidierung am ehesten verkraften kann", sagte er der Rheinischen Post . Er forderte über das Sparpaket hinaus die Einführung einer Pkw-Maut.

"Keine großen gesamtwirtschaftlichen Belastungen" sieht auch der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft, Michael Hüther. Ein "Kaputtsparen" bewirkten die Sparvorschläge nicht, sagte er dem Sender Phoenix. Dennoch seien in dem Paket zahlreiche "Luftbuchungen" enthalten, kritisierte Hüther und nannte die fest eingeplanten Einnahmen aus der Verlängerung der Kernkraftwerks-Laufzeiten.

Ein drastischer Subventionsabbau, wie ihn CDU und FDP in den vergangenen Jahren immer gefordert hätten, sei dagegen in den Vorschlägen nicht erkennbar. "Mir ist überhaupt nicht erklärlich, dass man dieses Potenzial verschenkt", so der Wirtschaftswissenschaftler.

Der Finanzwissenschaftler Rudolf Hickel befürchtet dagegen Dämpfer für die Konjunkturerholung. "Zurzeit ist der radikale Abbau von Ausgaben zur Schuldenreduktion konjunkturell falsch", sagte er. "Wir haben eine Konjunktur, die noch bei weitem nicht selbst tragend ist."

Statt einer sozial ungerechten Kürzung von Sozialleistungen solle die Bundesregierung höhere Einkommen belasten und eine Vermögenssteuer einführen, forderte der Finanzwissenschaftler. "Wir brauchen auch Steuererhöhungen", sagte Hickel.

Auch nach Ansicht des Chefvolkswirts der Deka-Bank, Ulrich Kater, wird das Sparpaket das Wachstum in Deutschland dämpfen. Der Effekt sei 2011 noch sehr gering, sagte Kater der Berliner Zeitung. In den folgenden Jahren werde das Bruttoinlandprodukt dann durch das Sparprogramm um 0,5 bis 1 Prozent weniger wachsen als ohne die Konsolidierungsschritte.

Die Konjunktur sei aber stark genug, um dies zu verkraften. So profitiere Deutschland von der Erholung der Weltwirtschaft.

Der Direktor des gewerkschaftsnahen Forschungsinstituts IMK, Gustav Horn, sprach von leicht negativen Impulsen auf die Konjunktur. Die Regierung tue nichts, um die Binnennachfrage zu stärken, kritisierte Horn.

Gewerkschaften und SPD hatten beklagt, die Sparbemühungen träfen vorwiegend Familien und sozial schlechter Gestellte, währenddessen die Vermögenden auf Drängen der FDP geschont blieben. Der Münchner Sinn sieht das anders, er lobte das Sparpaket sozial gerecht. "Es ist nach meinem Eindruck ausgewogen", sagte. "Geld, das man nicht hat, kann man nicht ausgeben."

Steuererhöhungen für die Allgemeinheit wie etwa eine Erhöhung der Mehrwertsteuer sieht das Sparpaket nicht vor. Zahlen sollen aber Unternehmen: Ausnahmen bei der Ökosteuer sollen wegfallen, eine Abgabe für Banken und den Luftverkehr sowie eine Steuer für Energieunternehmen sind geplant.