ZEIT ONLINE Herr Cames, die Bundesregierung will Tickets für Flüge von deutschen Flughäfen mit einer Steuer belegen. Pro Jahr sollen auf diese Weise eine Milliarde Euro für den Haushalt zusammen kommen. Ist die Idee auch ökologisch sinnvoll?

Cames: Sie ist sinnvoll, aber nicht ausreichend. Der Luftverkehr ist in Deutschland gegenüber anderen Verkehrsmitteln im Vorteil, weil für internationale Flüge keine Mehrwertsteuer erhoben wird. Die Abgabe verringert diesen Wettbewerbsvorteil, allerdings nur sehr wenig: Die Belastung pro Ticket dürfte im Durchschnitt bei ein bis drei Prozent liegen. Das ist nichts gegen die 19 Prozent, die zum Beispiel auf Bahnfahrten erhoben werden.

ZEIT ONLINE: Dem Klima hilft die Abgabe nur, wenn die Leute tatsächlich weniger fliegen. Glauben Sie das?

Cames: Ja, die Zahl der Inlandsflüge wird leicht zurückgehen. Denken Sie an die ganzen Billigtickets, die im Moment von den Billigfliegern angeboten werden. Da machen die 13 Euro, die auf Kurzstreckenflügen erhoben werden sollen, durchaus etwas aus. Manche Fluggäste werden sich überlegen, ob sie dann nicht die Bahn nehmen, wenn sie von Frankfurt nach Berlin wollen.

ZEIT ONLINE: Gibt es Erfahrungen aus dem Ausland, die belegen, dass Reisende auf eine solche Steuer reagieren?

Cames: Es gibt mehrere Länder, die eine Abgabe auf Flugtickets erheben, Frankreich und Großbritannien etwa, aber auch die Niederlande. In Großbritannien gibt es die Air Passenger Duty, die je nach Flugdistanz bis zu 200 Euro beträgt. In den Niederlanden hatte der Staat eine Abgabe von bis zu 45 Euro, je nach Flugdistanz, erhoben, also höhere Sätze als in Deutschland. Die Steuer hatte dazu geführt, dass die Zahl der Flüge um fünf Prozent gesunken ist.

ZEIT ONLINE: Also höhere Sätze auch in Deutschland?