Auf den erneuerbaren Energien ruhen nicht nur die Hoffnungen, wenn es um das Aufbessern der Klimabilanz geht. Offenbar schwingt sich die Branche zu einem immer wichtigeren Erlösmodell für die deutschen Kommunen auf. Zu diesem Schluss kommen Autoren einer Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und des Zentrums für Erneuerbare Energien der Universität Freiburg (ZEE). In der ersten systematischen Erhebung taxieren die Forscher die Wertschöpfung auf kommunaler Ebene durch die Ökoenergien in Deutschland für 2009 auf insgesamt 6,6 Milliarden Euro. Davon entfielen auf die Windkraft 2,1 Milliarden Euro, auf Photovoltaik 2,4 Milliarden und auf Biogasanlagen 500 Millionen Euro.

Offiziell soll die im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien erstellte Studie erst Anfang September präsentiert werden. Die Ergebnisse lassen aber schon jetzt den Schluss zu, dass die Kommunen durch eine Umstellung auf eine eigene Energieversorgung in der Regel stark profitieren können. Demnach sind neue Steuereinnahmen, die Verpachtung von Flächen für die Ökostrom-Erzeugung sowie neue Arbeitsplätze und damit ein höherer Einkommenssteueranteil die wichtigsten Vorteile. Die Kommunen profitieren dabei von der starken staatlichen Subventionierung der Ökoenergien. Der Anteil an der gesamten Kraftwerksleistung ist allerdings noch vergleichsweise gering: Der Verband kommunaler Unternehmen nennt für 2008 einen Wert von knapp sechs Prozent. 

Auch das Bundesumweltministerium sieht in den erneuerbaren Energien einen Wachstumsmarkt . In einem Bericht bezifferte es für 2009 die gesamtdeutsche Wertschöpfung durch Investitionen und Betrieb auf 37,5 Milliarden Euro. Dieser Wert lag etwa ein Viertel über dem Wert des Vorjahres (30,6 Milliarden Euro).

Die Studie sagt den Kommunen auch für die Zukunft große Erlöse voraus: Sollte es bis 2020 wie von der Branche erwartet einen Ökoenergie-Anteil (Strom, Wärme, Kraftstoffe) von 28,7 Prozent geben, könnten bis zu 12,3 Milliarden Euro pro Jahr in die kommunalen Kassen fließen, rechneten die Forscher aus.

Im Hinblick auf den derzeitigen Streit um die Laufzeiten von Atomkraftwerken erhalten diese Ergebnisse besondere Bedeutung. Viele regionale Energieversorger verlangen von der Bundesregierung einen Verzicht auf längere Laufzeiten für Kernkraftwerke , da im Vertrauen auf den Atomausstiegsbeschluss viel Geld in die Umstellung auf eine Versorgung aus erneuerbaren Energie investiert worden sei. "Die Laufzeitverlängerung ist Gift für jegliche Form von Wettbewerb im deutschen Markt", sagte der Sprecher der Geschäftsführung des Stadtwerke-Bündnisses Trianel, Sven Becker. Er forderte die Bundesregierung auf, die Stadtwerke an den Gesprächen über eine Laufzeitverlängerung zu beteiligen.