Bankkunden in Deutschland müssen offenbar auch in Zukunft mit unterschiedlich hohen Gebühren rechen, wenn sie nicht an einem Geldautomaten ihrer Hausbank oder einer Partnerbank Geld abheben wollen. Dies berichten Insider, die an den Verhandlungen zwischen den Privat- und Volksbanken sowie Sparkassen teilnehmen.

Wie vom Bundeskartellamt gefordert, sollen sich die Geldhäuser eigentlich bis Ende August auf ein einheitliches Gebührenmodell einigen. Doch ein gemeinsamer Vorschlag sei "unwahrscheinlich", hieß es aus Verhandlungskreisen. Stattdessen würden Sparkassen und Volksbanken auf der einen und Privatbanken auf der anderen Seite wohl jeweils eigene Lösungen präsentieren. Damit dürften die Gebühren in Deutschland weiter regional unterschiedlich und im Schnitt relativ hoch bleiben.

Bislang planen Privatbanken eine Obergrenze von zwei Euro. Die Sparkassen und Volksbanken sind strikt dagegen. Sie plädieren dafür, direkt beim Geldabheben anzuzeigen , wie teuer es den Kunden kommt. Nach ihrer Ansicht führt dies über den Wettbewerb zu einer Senkung der Gebühren. Dieser Vorschlag könne 2011 umgesetzt werden.

Das Kartellamt wollte sich zum aktuellen Stand der Debatte nicht äußern. "Wir haben den Banken eine Frist bis Ende August gesetzt", sagte eine Sprecherin. "Unsere Beschlussabteilungen entscheiden dann über das weitere Vorgehen." Kommende Woche soll die entscheidende Sitzung der Institute im Zentralen Kreditausschuss stattfinden. Keiner der Bankenverbände wollte sich äußern.

Im Frühjahr gab es Kritik an den teils horrenden Gebühren. Marktforschern zufolge müssen Kunden bei der Nutzung fremder Automaten im Schnitt fast sechs Euro zahlen, während die Banken eine Abhebung nur 60 bis 70 Cent kosten soll. Daraufhin hatte sich das Kartellamt eingeschaltet . Eine von der Kreditwirtschaft vorgeschlagene Maximalgebühr von fünf Euro pro Abhebung lehnte die Behörde Anfang Juli als zu hoch ab und verlangte ein neues Konzept.

Das größte Automatennetz haben die Sparkassen und Volksbanken. Sie betreiben bundesweit mit zusammen mehr als 40.000 Geräten und befürchten daher bei einer Obergrenze finanzielle Einbußen.