Nach Moody's stufte auch die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) die Kreditwürdigkeit von Irland herab. Sie erhöht damit den Druck auf die Regierung in Dublin, Klarheit bei den Kosten für die Bankenrettung zu schaffen. Als Grund nannte S&P die hohen Ausgaben des hoch verschuldeten Staates für die Rettung des angeschlagenen Finanzsektors.

Das Rating wurde um eine Stufe auf AA- gesenkt, wodurch die Kreditaufnahme für den Inselstaat teurer wird. Zudem signalisiert die Agentur einen negativen Ausblick. Das bedeutet, dass in den kommenden ein bis zwei Jahren eine neuerliche Herabstufung droht. "Wir glauben, dass die Stützung des Bankensektors eine substanzielle und wachsende finanzielle Bürde darstellt, die unserer Ansicht nach nur langsam verringert werden kann."

Das ist nichts, was wir gerne tun, aber wir kommen an einen Punkt, an dem die Analyse nicht tragfähig ist.
Chef der Schuldenagentur, John Corrigan

Auch der Chefvolkswirt bei den Goodbody Stockbrokers in Dublin, Dermot O'Leary, fordert die Regierung auf ihre oberste Priorität auf die Lage am Bankenmarkt zu legen. "Am Markt wird bereits jetzt mit ein bis zwei Herabstufungen gerechnet", sagte er.

Die Risikoaufschläge auf irische Staatsanleihen zu vergleichbaren deutschen Papieren stiegen auf 340 Basispunkte, das ist der höchste Stand seit Mai, als die Schuldenkrise in Griechenland für Aufregung am Markt sorgte. Hatte Irland zunächst mit einem entschiedenen Vorgehen gegen die hohe Verschuldung am Markt überzeugt, so rückte das Land zuletzt wieder in den Mittelpunkt der europäischen Schuldenkrise.

Die irische Schuldenagentur kritisierte die schlechtere Note durch S&P. "Wir haben ausnahmsweise das Thema angesprochen", sagte der Chef der Schuldenagentur, John Corrigan, dem staatlichen Rundfunk. "Das ist nichts, was wir gerne tun, aber wir kommen an einen Punkt, an dem die Analyse nicht tragfähig ist." Irland hat zwar schon fast den gesamten Betrag von 20 Milliarden Euro an langlaufenden Anleihen am Markt aufgenommen. Dennoch stehen noch Emissionen von kurzfristigen Papieren an, bei denen nach Einschätzung von Experten die Zinsen steigen dürften.

Im vergangenen Jahr richtete die Regierung in Dublin eine Bad Bank ein, um den Bankensektor nach dem Platzen einer Immobilienblase beim Aufräumen der faulen Kredite zu helfen. Der Prozess gestaltet sich jedoch langwieriger als erwartet, vor allem toxische Papiere der Anglo Irish Bank sorgen für steigende Kosten. Wie viel Geld Irland für die Banken insgesamt ausgeben wird, wird erst zum Jahresende feststehen. Der Notenbankchef bezifferte die Kosten zuletzt aber auf 29 Milliarden Euro, das entspricht fast einem Fünftel der Wirtschaftsleistung. S&P rechnet sogar mit Belastungen von 45 bis 50 Milliarden Euro.

Unter den sogenannten Piigs-Staaten steht Irland noch relativ gut da: Nur Spanien hat eine etwas bessere Note (AA); Griechenland (BB+) wird deutlich schlechter benotet; auch Italien (A+) und Portugal (A-) kommen bei S&P nicht so gut wie Irland weg.

Dennoch: So schlecht standen sie nach Angaben des Finanzdienstleisters Bloomberg seit 15 Jahren nicht mehr da. Zu allem Überfluss blickt S&P auch noch mit Skepsis in die Zukunft.