Der Aufschwung ist da, nun sollen die Arbeitnehmer daran beteiligt werden: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Arbeitgeber und Gewerkschaften bei den anstehenden Verhandlungen zu maßvollen Tarifabschlüssen aufgerufen. "Ich hoffe, dass man Lösungen der Vernunft findet, bei denen natürlich verbesserte Situationen der Unternehmen sich auch widerspiegeln werden bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern", sagte die Kanzlerin am Sonntag in der ARD. Zugleich müsse berücksichtigt werden, dass die gute wirtschaftliche Lage weiter fragil sei . Der Boom sei vor allem vom Export getrieben.

DGB-Chef Michael Sommer forderte angesichts des wirtschaftlichen Aufschwungs höhere Löhne für die deutschen Arbeitnehmer. "Es kann nicht sein, dass die Beschäftigen vielfach für die Krise bezahlen", sagte Sommer dem Hamburger Abendblatt in seiner Montagsausgabe. "Jetzt sind unsere Leute mal wieder dran." Die Arbeitnehmer hätten durch Kurzarbeit auf Lohn verzichtet. Sommer fügte hinzu, in den vergangenen Jahren habe es eine "moderate Lohnpolitik" der Gewerkschaften gegeben. "Aber im Aufschwung halten wir uns nicht mehr zurück."

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt wies die Gewerkschaftsforderungen zurück. "Der Aufschwung ist noch mit vielen Risiken behaftet", sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände der Bild -Zeitung. "Überzogene Lohnforderungen gefährden die wirtschaftliche Erholung in Deutschland", fügte er hinzu. "Eine weiterhin angemessene Tarifpolitik sichert hingegen unsere Wettbewerbsfähigkeit und schafft Beschäftigung."

Merkel bekräftigte außerdem, die Koalition werde die Steuern trotz geplanter Haushaltskonsolidierung nicht erhöhen. "Wir können auf der anderen Seite aber auch nicht das Blaue vom Himmel versprechen." So werde der medizinische Fortschritt und die Alterung der Gesellschaft auch künftig die Beiträge für Gesundheit ansteigen lassen.