Der Reichtum rollt auf das Palace Hotel in Gstaad zu. Zuerst ein knallroter Ferrari Dino 246GT, später gleitet ein silberner Mercedes Benz 300 SL Roadster heran, darauf folgt ein grüner Bentley S1 Continental. Nach gut zwei Stunden erscheint das letzte Gefährt einer Veteranenrallye vor dem Nobelhotel, ein Rolls Royce Silver Cloud II. Ein grau melierter Herr mit Schnauzbart, heller Sommerhose, weißem Hemd und Siegelring am kleinen Finger dreht sich aus dem roten Ledersitz, betritt behutsam den Boden und schiebt die Tür seines Rolls ins Schloss. Dann schlendert er ins Palace. So gefällt sich Gstaad: edel, reich – und möglichst diskret.

"In Gstaad zeigt man das Geld nicht", sagt Andrea Scherz, Direktor des Palace. Scherz, Anfang 40, schaut aus einem Panoramafenster auf die gleißenden Alpen. Dann sagt er beiläufig: "In Gstaad ist das alte Geld."Vor allem aber ist in Gstaad viel Geld, sehr viel Geld. Es heißt, in dem Städtchen im Herzen der Schweiz lebten mehr Milliardäre als Arbeitslose. Unter ihnen der reichste Clan des Landes, die Familie um den Unternehmer Ernesto Bertarelli – und jede Menge wohlhabende Ausländer, Formel-1-Boss Bernie Ecclestone aus England zum Beispiel oder Regisseur Roman Polanski, der seinen vom Gericht verordneten Hausarrest im Gstaader Luxuschalet absaß.

Doch nun droht den Reichen in Gstaad und im ganzen Kanton Bern Ungemach. Denn linke Parteien und die Gewerkschaften wollen die Steuerprivilegien für Ausländer im Kanton ersatzlos streichen. Bis Oktober müssen die Berner Linken noch einige tausend Unterschriften im Kanton sammeln. Dann haben sie die nötigen 15 000 für die Volksabstimmung gegen die Pauschalsteuer beisammen.

"In Bern profitieren mehr als 200 Ausländer von der ungerechten Pauschalsteuer, die meisten leben in Gstaad und Umgebung", schimpft Corrado Pardini aus dem Vorstand der Gewerkschaft Unia. "Die Pauschalsteuer ist ein unerträglich großes Steuerschlupfloch für reiche Ausländer", sagt Pardini, dessen Eltern einst aus Italien in die Schweiz kamen. Einige Pauschalbesteuerte, das behauptet Pardini, führten weniger als 7400 Euro im Jahr an den Staat ab. "Wir reden hier über Millionäre und Milliardäre ohne Geldsorgen", sagt er erzürnt.

Insgesamt leben derzeit 5000 Pauschalbesteuerte in der Schweiz. Sie heißen so, weil ihre Steuerabgaben nicht auf Basis ihres jeweiligen Einkommens berechnet werden, sondern auf Basis der pauschal erfassten, jährlichen Lebenshaltungskosten. Die Steuerschuld wird dann zwischen den Finanzbehörden und dem Ausländer individuell festgelegt. "Genau dabei kommt es zu den ungerechten Deals", empört sich Pardini. Er wünscht nun, dass auch reiche Ausländer künftig wie jeder Schweizer nach Vermögen und Einkommen besteuert werden – und die Reichen fürchten um ihr Leben im Luxus.

Pro Kopf und Jahr konsumieren sie laut dem Verein Mehrwert Schweiz für 247.000 Euro in "Handel und Gewerbe", vom Shopping beim Rolex-Händler bis hin zum Essen in einem Luxusrestaurant. Allein in Gstaad können die Gourmets zwischen vier Restaurants mit 16 und mehr Gault-Millau-Punkten wählen. Und im "Le Caveau de Bacchus"auf der Promenade in Gstaad versorgen sich die Weinliebhaber. Die teuerste Flasche derzeit im Angebot: eine Imperial Château Cheval Blanc 2005, Saint-Emilion, für 10 960 Euro. Auch wer in Gstaad ein Chalet erwerben will, darf nicht geizig sein: Ein Quadratmeter Wohneigentum in bevorzugter Lage kostet bis zu 37.000 Euro. In den Bau und die Pflege des eigenen Hauses investiert jeder neu zugezogene Pauschalbesteuerte in der Schweiz durchschnittlich 5,2 Millionen Euro.