Hinter dem schlichten Satz verbirgt sich eine Kampfansage. "Der Zukunftsmarkt Energie ist ein wichtiger Teil der neuen Strategie der Deutschen Telekom", sagt Vorstandsmitglied Reinhard Clemens dem Handelsblatt. Mit anderen Worten: Die Telekom will Stromrechnungen erstellen und neue, intelligente Stromzähler nicht nur an das Stromnetz, sondern auch an das Internet und Elektrogeräte anbinden. Die Zähler schalten Haushaltsgeräte dann ein, wenn der sich im Laufe eines Tages ständig verändernde Strompreis gerade günstig ist. Der Strom kommt weiter vom Energieversorger, die Telekom managt den Verbrauch.

Damit drängt der Bonner Konzern machtvoll in das Kerngeschäft der Energieversorger - und begibt sich in Konkurrenz zu RWE, Eon, EnBW und Vattenfall. Die intelligente Vernetzung von Strom, Internet und Haushalten, die sogenannten Smart Grids, ist laut Clemens "ein Milliardenmarkt", dessen Volumen "das Internet um ein Vielfaches übersteigen" wird.

Die Unternehmensberatung Arthur D. Little erwartet für 2014 ein weltweites Umsatzvolumen mit Hilfe von Smart Grids über 42 Milliarden Dollar. Dies wäre ein enormes Volumen, das Begehrlichkeiten weckt und Konkurrenz schürt. Von einer Partnerschaft mit den Energiekonzernen, von der die Telekom offiziell spricht, kann keine Rede sein. Im Gegenteil. Die beiden Branchen liefern sich einen Wettlauf um die Marktführerschaft in diesem neuen Geschäftsfeld, das auch dem Mittelstand große Einsparpotenziale bietet.

Die Stromkonzerne sind alarmiert: "Wir nehmen das Engagement der Telekomkonzerne ernst", sagt Arndt Neuhaus, Vorstandschef der RWE Rheinland Netz AG, -Westfalen der bei dem Essener Konzern das Zukunftsgeschäft verantwortet.Für Telekom-Chef René Obermann kommt der Vorstoß in die Gefilde von RWE-Chef Jürgen Großmann fast schon einer betrieblichen Notwendigkeit gleich. Schrumpft doch das Kerngeschäft der Telekom hierzulande seit Jahren.

Kein Wunder also, dass sich die Aktivitäten der Telekomanbieter im neuen Geschäftsfeld längst nicht nur auf den Markt der intelligenten Netze beschränken. So bietet die ungarische Tochter der Telekom bereits Strom an. Die Ungarn kooperieren dabei zwar mit Eon. Doch das muss nicht so bleiben. Denn kaum etwas ist seit der Liberalisierung der Energiemärkte leichter, als selbst Strom zu verkaufen. Die Telekomunternehmen könnten sich, wie zahlreiche Billigstromanbieter auch, an der Strombörse mit Kilowattstunden eindecken. Die alteingesessenen Konzerne müssen jedermann ihre Leitungen zur Verfügung stellen.

Der Vorteil der Kommunikationsanbieter: Sie verfügen über ein eigenes Kunden- und Vertriebsnetz. So bietet der Mobilfunkanbieter Freenet seit Mai bereits Stromlieferverträge. Vorstandschef Christoph Vilanek sagt: "Um die teuren Innenstadtfilialen zu finanzieren, reicht das Mobilfunkgeschäft allein nicht mehr aus."

Die beiden Branchen rüsten sich also für ein Milliardengeschäft: "Die Internationale Energieagentur rechnet bis 2030 sogar weltweit mit Investitionen von mehreren Billionen Dollar in Energieerzeugung, Verbrauchsmanagement und die Modernisierung der Stromnetze", sagt Telekom-Vorstand Reinhard Clemens, der als Chef der Telekom-Großkundensparte T-Systems den Vorstoß in den Energiemarkt verantwortet.