Angela Merkel fordert es, Barack Obama ebenfalls. Auf dem Millenniumsgipfel in der vergangenen Woche haben sie Ländern, die künftig Entwicklungshilfe wollen, Bedingungen gestellt – allen voran: Sie müssten die Demokratie fördern. Aber ist diese Staatsform wirklich eine Bedingung für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes?

Nicht erst seit dem schier unaufhaltsamen ökonomischen Aufstieg Chinas zerbrechen sich Wirtschaftswissenschaftler über den Zusammenhang zwischen der Demokratie und der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes den Kopf. Auf den ersten Blick liegt die Antwort auf der Hand: Reiche Staaten sind meist demokratisch regiert. Doch über Ursache und Wirkung sagt das nichts aus. Schließlich ist auch denkbar, dass sich nur Staaten mit hohem Wohlstand eine Demokratie leisten können.

Tatsächlich zeigen neue Studien: Das Wechselspiel zwischen Regierungsform und Wirtschaftsentwicklung ist weit komplexer als bislang gedacht. Wohlstand stabilisiert Demokratien, führt aber nicht automatisch zu demokratischen Strukturen. Demokratische Staaten sind autoritären zwar ökonomisch überlegen. Doch der Effekt ist nicht überall gleich stark ausgeprägt – und er ist kein Selbstläufer.

So stellte der MIT-Ökonom Daron Acemoglu fest: Wenn man nicht die Wechselwirkungen zwischen Demokratie und Wohlstand in unterschiedlichen Ländern, sondern innerhalb eines Staates im Zeitablauf vergleicht, verschwindet der positive Effekt von Wohlstand auf Demokratie: Reichtum und politische Freiheit treten gemeinsam auf – wahrscheinlich, weil sie von den gleichen Faktoren beeinflusst werden.

Dass sich die Demokratie positiv auf den Wohlstand auswirkt, will Acemoglu dennoch nicht ausschließen. Trotz der Erfolge einiger autoritärer Regime ist er – wie die meisten seiner Kollegen – überzeugt: Ein demokratisches System ist unter dem Strich besser für die Wirtschaft, weil es mehr Rechtssicherheit bietet, Eigentumsrechte besser schützt und mit weniger Korruption verbunden ist.

Elias Papaioannou (Darthmouth College) und Gregorios Siourounis (University of Peloponnes) konnten diesen Effekt empirisch nachweisen: Wandelt sich ein autokratisches Land in eine Demokratie, ist das Wachstum danach im Schnitt um knapp einen Prozentpunkt höher. Allerdings betonen die Autoren: "Demokratie ist kein Wundermittel." Denn sie kurbelt nicht in allen Staaten das Wachstum an, sondern bremst es in einigen sogar. Auch das zeigen die Daten der Forscher.