Fachpolitiker der Koalition lehnen sich gegen Millionengehälter für Manager staatlich geretteter Banken auf. Der FDP-Finanzmarktexperte Florian Toncar will solche Zahlungen künftig notfalls auch per Gesetz verhindern. "Notfalls muss man gesetzlich regeln, dass bei einer vom Staat geretteten Bank auch Gehälter gekürzt werden können", sagte er. Für ihn sei dies auch eine Frage des Anstands. "Es ist ein Unterschied, ob jemand bei einer Bank arbeitet, die mit staatlicher Hilfe gerettet worden ist oder nicht." Mitarbeiter staatlich geretteter Institute müssten "insgesamt maßvoller und bescheidener" sein.

Auch der CDU-Finanzexperte Leo Dautzenberg kritisierte, die Bankenkontrolleure zeigten statt höchster Sensibilität "sehr viel Verständnis und Einfühlungsvermögen für die Banker". Das sei "nicht nachvollziehbar und überhaupt nicht erklärbar".

Ein Sprecher des Bundesfinanzministerium sagte hingegen, es seien vorerst keine gesetzlichen Änderungen an den Regeln zur Manager-Vergütung geplant. Man wolle die aktuelle Entwicklung aber genau beobachten und sich weitere Maßnahmen eventuell vorbehalten.

Am Wochenende war bekannt geworden , dass in deutschen Banken, die in der Krise Unterstützung vom Staat bekommen hatten, wieder üppige Managergehälter gezahlt werden. Demnach kommen etwa 200 Banker wieder auf ein Jahreseinkommen von mehr als 500.000 Euro. 

Diese Vergütungen gelten offenbar ausschließlich für die Mitglieder der zweiten Führungsebene. Sie hatte der staatliche Rettungsfonds Soffin aus seinen Gehaltsregelungen ausgenommen. Lediglich die Gehälter von Vorstandsmitgliedern sind durch das Rettungsgesetz verbindlich auf jährlich 500.000 Euro gedeckelt.

Auch die Millionen-Boni bei der steuerfinanzierten Bank Hypo Real Estate (HRE) könnten ein Nachspiel im Parlament haben. Die FDP erwägt, Kapitalgesellschaften und Finanzmarkt mit schärferen Gesetzen zu verantwortungsvollem Handeln zu zwingen . Die Exzesse der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass "alle Appelle in dieser Richtung bislang ohne die erwünschten Folgen geblieben" seien, sagte die Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Birgit Homburger. Deshalb seien neue rechtliche Rahmenbedingungen zur Ausweitung der Haftung von Managern in diesen Branchen nötig. "Wer selbst in Haftung genommen werden kann, wird sein Risiko genau abwägen."

Die Bundesregierung hat bereits im Zuge der Finanzmarktreformen eine verstärkte Manager-Haftung auf den Weg gebracht. Die Verjährungsfrist bei Fehlverhalten soll sich so auf zehn von bisher fünf Jahren verdoppeln. Angekündigt ist auch, bei staatlich gestützten Banken einen Verfall von früher vereinbarten Ansprüchen auf Bonuszahlungen und anderen variablen Vergütungsbestandteilen zu prüfen.

Die jüngsten Millionen-Prämien für HRE-Manager hatte das Finanzministerium allerdings verteidigt. Sie seien nötig, um Leistungsträger bei der Bank zu halten.