Mit Protesten quer durch Europa hat sich der Unmut gegen den rigiden Sparkurs europäischer Regierungen nach der Finanzkrise entladen. Bei einem EU-weiten Aktionstag unter dem Motto "Nein zu Sparmaßnahmen - Vorrang für Beschäftigung und Wachstum" gingen in Brüssel Zehntausende auf die Straße. Während in Griechenland die Spediteure ihren Ausstand fortsetzten, legt ein Generalstreik in Spanien das Land teilweise lahm.

Angesichts der Schuldenkrise versuchen zahlreiche EU-Staaten ihre Finanzen mit strikten Sparplänen zu sanieren. Dagegen hatten die Gewerkschaften europaweit zu Protesten aufgerufen, darunter auch in Polen, Italien, Serbien und Lettland. In Griechenland, das nach der Rettung vom Staatsbankrott nun einen harten Sparkurs fahren muss, setzten die Lastwagenfahrer ihre Proteste gegen die Liberalisierung des Transportwesens fort.

Der Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes, John Monks, rief die EU-Staaten zum Umdenken auf: "Es ist noch Zeit für einen Richtungswechsel", sagte Monks zu Beginn der Kundgebung. Angereist waren zu den Protesten auch rund 1200 deutsche Bergleute, die in ihrer Arbeitskluft mit Stiefeln und Helm gegen den EU-Plan zur Zechenschließung demonstrierten. Insgesamt wurden bis zu 100.000 Teilnehmer aus 30 Ländern zu der Massendemonstration erwartet.

In Spanien machten die Gewerkschaften mit einem landesweiten Generalstreik gegen den Spar- und Reformkurs der Regierung mobil. Er richtete sich insbesondere gegen die Lockerung des Kündigungsschutzes, nachdem die Regierung wegen der Haushaltskrise bereits die Beamtengehälter gesenkt und die Renten eingefroren hatte. In mehreren spanischen Städten marschierten vor Fabriken Streikposten auf, an Bus- und Bahnhaltestellen bildeten sich lange Schlangen. An Kiosken gab es keine Zeitungen zu kaufen.

Auch Urlauber bekamen den ersten Generalstreik seit 2002 zu spüren. Am Flughafen von Palma de Mallorca seien Flugzeuge nicht mehr betankt und Transferbusse blockiert worden, teilte der Reiseveranstalter TUI mit. Auch in Barcelona, Malaga und Sevilla komme es zu "Blockaden von Terminals, Feuerwehrfahrzeugen und Gepäckbändern". Reiseveranstalter wie TUI oder Thomas Cook hatten Flüge aber schon im Vorfeld verschoben, so dass es am Mittwoch ihren Angaben zufolge kaum Probleme für ihre Kunden gab.

Auch im hochverschuldeten Irland hatten die Gewerkschaften zu einer Kundgebung vor dem Parlament in Dublin aufgerufen. Aus Protest gegen die geplante staatliche Rettung einer irischen Bank fuhr ein Mann laut Polizei einen Lastwagen gegen das Parlamentsgebäude und beschädigte das Eingangsgitter.