Eine politische Kampagne zu starten, die in Washington Gehör findet, ist für den Milliardär George Soros eine leichte Übung. Am Dienstagmorgen erscheint ein auf der Titelseite angekündigter Artikel von ihm in der Financial Times. Am Mittag steht Soros dann medienwirksam neben Nobelpreisträger Joseph Stiglitz in der Columbia University in New York und wiederholt seine Botschaft für die Kameras der Fernsehsender.

"Wir müssen mehr Geld in die Wirtschaft pumpen", sagt er. Nur so könne die lahmende US-Wirtschaft wieder in Schwung kommen. Dieser Meinung sind auch viele Ökonomen, aber in Washington stellen sich die Politiker stur. Im November sind Parlamentswahlen und vielen Amerikanern ist der Staat ohnehin schon viel zu väterlich geworden. Sie wollen nicht mehr Schulden, sondern weniger. Ein Fehler, sagt Spekulant Soros. Präsident Obama dürfe sich nicht von den Republikanern und der konservativen Tea-Party-Bewegung in die Defensive drängen lasse.

Soros will frisches Geld in Investitionen stecken, in Straßen, Schienen, neue Energien. Das könnte kurzfristig Arbeitsplätze schaffen und langfristig das Land besser aufstellen. "In Zeiten von Massenarbeitslosigkeit die Regierungsausgaben zurückzufahren können wir uns nicht leisten. Der Privatsektor schafft das nicht allein", sagt der Milliardär. Deshalb müsse Washington noch mehr Schulden machen. Sekunden später attackiert der alte Mann eine Dame, die auf der anderen Seite des Atlantiks ihren Amtsgeschäften nachgeht. 

Angela Merkel kommt nicht gut weg bei George Soros. Die Kanzlerin habe mit ihrer Hinhalte-Taktik nicht nur die Griechenland-Rettung für alle teurer gemacht. Die Sparpolitik der Bundesrepublik schade der Weltwirtschaft. "Soros: Deutschland bedroht Europa mit Deflationsspirale" wird später die Nachrichtenagentur Bloomberg aufgeregt melden. Was Soros erzürnt: Die Deutschen sparen nicht nur selbst, sondern fordern auch noch von ihren europäischen Nachbarn Ausgabendisziplin. "Das ignoriert alle Erkenntnisse aus der Zeit der Großen Depression", schimpft Soros. Deutschland sei schuld, wenn Europa eine lange Phase der Stagnation erlebe.

George Soros ist reich, sehr reich. Mit einem Vermögen von 14 Milliarden Dollar steht der 79-Jährige aktuell auf Platz 35 in der Forbes-Liste der Superreichen dieser Welt. Eine Milliarde davon soll Soros allein mit seinen Wetten gegen das britische Pfund gemacht haben, damals im Jahr 1992, als die Bank von England gegen ihn und andere Spekulanten den Kürzeren zog. Heute gibt sich Soros weniger rabiat, schreibt lieber Bücher und sorgt sich um das Wohl der Welt. Die Liste mit seinen philanthropischen Projekten ist 500 Seiten lang. Allein Human Rights Watch spendete er 100 Millionen Dollar.

Milliardäre mit guten Absichten sind gerade viele unterwegs in Amerika. Da sind Bill Gates und Warren Buffet, die mit ihrer "Giving Pledge"-Kampagne andere Superreiche überreden, ihr Vermögen zu spenden. Medienmogul Ted Turner, Oracle-Mitgründer Larry Ellison, Bankier David Rockefeller, Hotelerbe Barron Hilton und Star Wars-Erfinder George Lucas – sie alle wollen Geld geben, etwa für Bildung und Forschung im Land. Bei so viel Engagement will auch Peter Peterson nicht im Abseits stehen.