Deutschland ein Jahr nach der Krise: Die Wirtschaft wächst um geschätzte 3,5 Prozent , die Arbeitslosigkeit sinkt auf drei Millionen. Wer hätte das gedacht? Und der Aufschwung geht weiter, wenn auch mit gebremster Kraft. Schon Ende 2011 könnte das Krisen-Minus wieder ausgeglichen sein; die Zahl der Arbeitslosen wird dann noch einmal deutlich niedriger liegen.

So positiv die Entwicklung ist, wird an ihr gleichzeitig deutlich, wo die Probleme der Zukunft liegen: Schneller als erwartet könnten qualifizierte Arbeitskräfte zur Mangelware werden. Noch gibt es keinen flächendeckenden Fachkräftemangel. Er beschränkt sich auf bestimmte Branchen (zum Beispiel Pflege) und bestimmte Berufszweige (zum Beispiel Ingenieure, Informatiker).

Dabei wird es aber nicht bleiben. Denn mit dem Älterwerden der Gesellschaft sinkt die Zahl der Arbeitskräfte, gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Akademikern und Facharbeitern.

Das Problem muss gelöst werden, um die Wettbewerbsfähigkeit des Exportlands Deutschland und den Wohlstand künftiger Generationen zu sichern. Wenig hilfreich sind deshalb die populistischen Einlassungen eines bayerischen Ministerpräsidenten ( "Ein prognostizierter Fachkräftemangel kann kein Freibrief für ungesteuerte Zuwanderung sein" ) und die einer um ihre Macht fürchtenden Kanzlerin (" Der Ansatz für Multikulti ist gescheitert, absolut gescheitert! ").

Deutschland braucht vielmehr einen vernünftigen Mix aus gesteuerter Einwanderung und mehr Investitionen in Bildung.

Einwanderung, weil sich nicht aus jedem Langzeitarbeitslosen ein Ingenieur für Werkstofftechnik machen lässt. Ein Punktesystem, das auf die Bedürfnisse der Wirtschaft zugeschnitten ist und die jeweilige Lage am Arbeitsmarkt berücksichtigt, ist ein möglicher Ansatz. Deutschland muss für Fachkräfte aber auch attraktiv sein. Die Seehofer-Debatte bewirkt genau das Gegenteil.

Bildung, weil das die Sozialpolitik der Zukunft ist. Höhere Investitionen in Bildung reduzieren die Spaltung des Arbeitsmarkts in Gewinner und Verlierer . In Deutschland wird laut OECD so wenig in Bildung investiert wie in kaum einem anderen Land. Eine Folge: Jedes Jahr verlassen Zehntausende ohne Abschluss die Schule. Rund 15 Prozent der jungen Leute zwischen 20 und 30 Jahren hat keine Berufsausbildung. Je früher hier investiert wird, desto geringer sind die Kosten in der Zukunft.