Die Wirtschaft in den USA kommt nach der Finanzkrise nicht in Schwung. Deshalb will die US-Notenbank Fed weiterhin zusätzliches Geld in Umlauf bringen. Wie aus den am Dienstag veröffentlichten Protokollen der Notenbank-Sitzung vom 21. September hervorgeht, sind die Fed-Mitglieder "unzufrieden mit dem Fortschritt hin zu den Zielen Vollbeschäftigung und Preisstabilität." Es sei deshalb davon auszugehen, dass in der Geldpolitik "eine weitere Lockerung in der nächsten Zeit nötig werden könnte". Die Pläne könnten schon Anfang November umgesetzt werden, wenn die Notenbank das nächste Mal über ihre Dollar-Geldpolitik entscheidet.

In dieser Ansicht unterscheiden sich die amerikanischen Notenbanker von ihren Kollegen in der Euro-Zone. Bundesbank-Chef Axel Weber sieht zwar noch keinen direkten Handlungsbedarf, warnte aber davor, die lockere Geldpolitik der Krisenjahre zu lange fortzusetzen. Weber gehört auch dem Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) an, die für die europäische Währungspolitik zuständig ist. Anders als in den USA hat sich die Wirtschaft in den Euroländern nach der Finanzkrise relativ schnell wieder erholt, nicht zuletzt dank der deutschen Exporte. Weber möchte darum die Förderprogramme, die im Rahmen der Krise aufgelegt wurden, möglichst schnell wieder beenden.

Zwischen den USA und der EU kündigt sich somit ein Konflikt um den besten Zeitpunkt für den Ausstieg aus der Krisenpolitik an. Es bestünden Risiken sowohl bei einem zu frühen als auch einem zu späten Ausstieg, sagte Weber in New York. "Ich glaube, dass die Letzteren größer sind als die Ersteren."

Die US-Notenbank möchte dem Sitzungsprotokoll zufolge auch ein Programm für den Ankauf von Staatsanleihen ausweiten. Bundesbankchef Weber hingegen kritisiert das europäische Pendant dieses Programms mit deutlichen Worten: Es habe keinen signifikanten Einfluss auf die durchschnittlichen Renditen in der Euro-Zone, sagte Weber. Die Risiken überwögen, und das Programm müsse daher dauerhaft auslaufen. Weber gehört seit Einführung des Programms auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise zu dessen schärfsten Kritikern. Seit Mai hat die EZB Anleihen im Volumen von etwa 63,5 Milliarden Euro angekauft.

Den Leitzins beließen die europäischen Währungshüter vergangene Woche bei dem Rekordtief von einem Prozent. Experten rechnen erst im späteren Verlauf 2011 mit Zinserhöhungen. Im Dezember dürfte die Bank aber entscheiden, ob sie auch über Mitte Januar hinaus an ihren unkonventionellen Maßnahmen festhalten will – und wenn ja, an welchen. Derzeit können sich Banken in der Euro-Zone bei der EZB so viel Geld leihen, wie sie wollen.

Die USA haben sich zwar aus der durch die Immobilien- und Finanzkrise ausgelösten schwersten Rezession seit Jahrzehnten befreit, das Wachstum verlor in den vergangenen Monaten aber wieder an Fahrt. Dazu kommt die hohe Arbeitslosigkeit. Die Fed hatte schon vor dem September-Treffen ihre Wachstumsprognose für das zweite Halbjahr zurückgenommen und rechnet auch im kommenden Jahr mit einem etwas geringeren Plus bei der Wirtschaftsleistung.

Allerdings sind nicht alle Mitglieder des für die Zinspolitik verantwortlichen Ausschusses für eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Der Präsident der Fed von Kansas, Thomas Hoenig, bezweifelte, dass mehr Zentralbankgeld die Wirtschaft in Schwung bringe. "An diesem Punkt, an dem wir eine moderate Erholung und eine niedrige und stabile Inflation sehen, glaube ich, dass der Wirtschaft besser geholfen wäre, wenn man mit der Normalisierung anfängt", sagte er.