Nach Banken und Rating-Agenturen nimmt die Europäische Union nun auch die hochspekulativen Hedgefonds an die Kandare. Die EU-Finanzminister einigten sich in Luxemburg einstimmig auf schärfere Vorschriften für die Manager dieser Fonds. Die Mitgliedsländer hoffen auf eine schnelle Verabschiedung durch das Europaparlament vor dem Gipfel der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G 20) in vier Wochen.

Vorgesehen ist ein Fonds-Pass, welcher den Handel mit Hedgefonds in ganz Europa erlaubt sowie erstmals eine Überwachung durch Aufsichtsbehörden. Bisher waren die Manager dieser Hedge- und Investmentfonds auf EU-Ebene unbeaufsichtigt.

Der Durchbruch sei "aus deutscher Sicht extrem zu begrüßen", sagte Finanz-Staatssekretär Jörg Asmussen (SPD), welcher Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in Luxemburg vertrat. Damit sei es möglich, das Ziel einer Regulierung aller Marktteilnehmer bis zum G-20-Gipfel am 11. und 12. November in Südkorea zu erreichen. Auf diese Vorgabe hatten sich die G-20-Länder vor gut einem Jahr in den USA geeinigt.

Das Geschäftsvolumen der Hedgefonds wird auf mehrere Billionen Euro geschätzt. Allein in Deutschland seien Spezialfonds mit einem Vermögen von 720 Milliarden Euro und offene Immobilienfonds mit einem Volumen von 110 Milliarden Euro betroffen, sagte Asmussen. Es sei auch im Interesse von Anlegern, wenn etwa ihre Pensionsfonds nun überwacht würden.

Ein monatelanger Streit zwischen Frankreich und Großbritannien hatte die Gesetzgebung über den Pass blockiert. Die beiden Staaten konnten sich nicht einigen, ob Fondsmanager aus Nicht-EU-Ländern eine EU-weite Zulassung erhalten sollen und wer diesen Pass ausstellen würde. Frankreich forderte zuletzt, die neue europäische Börsenaufsicht Esma müsse dafür zuständig sein, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Die EU-Staaten folgten der Linie Großbritanniens, wo die meisten Hedgefonds von innerhalb und außerhalb der EU tätig sind.