Die deutsche Wirtschaft hat ihre Krise offenbar überwunden : So wie die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute geht auch die Bundesregierung von einem deutlichen Wachstum für 2010 aus. Die Bundesregierung rechnet demnach mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 3,4 Prozent. Im kommenden Jahr wird sich die Konjunktur nach den Berechnungen der Experten zwar abschwächen, aber immer noch um 1,8 Prozent wachsen.

Die deutsche Wirtschaft fahre auf der Überholspur, sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle bei der Vorstellung der Zahlen in Berlin. "Ein Wachstum wie dieses Jahr hat es seit dem Wiedervereinigungsboom bisher nur einmal gegeben." Der FDP-Politiker sprach sich dafür aus, die Staatshilfen für Banken, Unternehmen sowie die Konjunkturprogramme jetzt zu beenden.

Noch im Frühjahr hatte die Regierung lediglich plus 1,4 Prozent im laufenden und 1,6 Prozent im kommenden Jahr für möglich gehalten. "Der Aufschwung hat nahezu alle Bereiche der Wirtschaft erfasst und nimmt an Breite zu", so Brüderle.

Die deutsche Wirtschaft profitiert derzeit vor allem vom Anziehen des Welthandels. Gerade in Schwellenländern wie China oder Indien ist der Bedarf an Investitionsgütern groß . Inzwischen steigt aber auch bei den Unternehmen hierzulande die Bereitschaft, in neue Bauten oder Ausrüstungen zu investieren. Auch der Konsum kommt in Schwung . "Die Wachstumskräfte werden sich damit im Verlauf dieses und des nächsten Jahres weiter in Richtung der Binnennachfrage verlagern", hieß es aus dem Wirtschaftsministerium. Diese werde 2011 knapp drei Viertel des Wachstums ausmachen.

Die robuste Konjunkturerholung wird nach Einschätzung der Regierung auch den Arbeitsmarkt neu beleben : Im kommenden Jahr wird die Zahl der Erwerbslosen im Schnitt auf 2,9 Millionen sinken – und damit auf den niedrigsten Stand seit 1992. "Wachstum und Beschäftigung gehen Hand in Hand und beflügeln sich gegenseitig", sagte Brüderle. "Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich vom Sorgenkind zum Musterschüler entwickelt, auch im internationalen Vergleich." Für dieses Jahr rechnet die Bundesregierung noch mit einer durchschnittlichen Arbeitslosigkeit von 3,2 Millionen.

Die Regierung ist mit ihren Konjunkturdaten etwas vorsichtiger als die deutschen Ökonomen . Diese hatten in der vergangenen Woche in ihrem Herbstgutachten ein Wachstum von 3,5 Prozent in diesem und 2,0 Prozent im kommenden Jahr vorausgesagt.