Die rund 20,2 Millionen Rentner in Deutschland können in den nächsten fünf Jahren möglicherweise doch auf eine Erhöhung ihrer Bezüge hoffen. Experten erwarten nach, dass die bis 2016 befürchteten Nullrunden ausbleiben werden. "Der Arbeitskräftemangel führt in den nächsten Jahren zu höheren Lohnsteigerungen. Das wirkt sich direkt auf die Rente aus", sagte der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn. "Hält die positive Lohnentwicklung an, ist das Thema Renten-Nullrunden gegessen."

Nach Berechnungen des Freiburger Sozialexperten Bernd Raffelhüschen könnten die Bezüge der Rentner allein in den nächsten zwei Jahren um jeweils 1,1 Prozent steigen. Auch der Leiter der Konjunkturabteilung des Hamburger Weltwirtschafts-Instituts (HWWI), Michael Bräuninger, hält Nullrunden für unwahrscheinlich. "Die Rentenentwicklung verläuft besser als erwartet", sagte er. Allerdings würden die Renten wegen nachzuholender Dämpfungsfaktoren nicht so stark steigen können wie die Löhne.

2009 hatte es die höchste Rentensteigerung seit mehr als zehn Jahren gegeben: plus 3,4 Prozent im Osten, plus 2,4 Prozent im Westen. Dafür sorgte die damalige schwarz-rote Bundesregierung, die den dämpfenden Riester-Faktor in der Rentenformel ausgesetzt hatte. Die außerplanmäßigen Steigerungen von 2008 und 2009 wie auch die unterbliebene Kürzung 2010 sollen durch Verrechnung mit künftigen Rentenerhöhungen ausgeglichen werden.

Auch die Deutsche Rentenversicherung (DRV) rechnet schon für das kommende Jahr mit einer Steigerung der Altersbezüge. "Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, bei der Lohnentwicklung, aber auch in der Anzahl der Beschäftigten wird dazu führen, dass wir im kommenden Jahr aller Voraussicht nach von einer Rentenanpassung reden können wie hoch, das müssen wir abwarten", sagte DRV-Präsident Herbert Rische dem Hamburger Abendblatt .

Die noch von der großen Koalition beschlossene Rentengarantie verhindert derzeit, dass die Altersbezüge wegen rückläufiger Löhne sinken. Auch in diesem Jahr gab es eine Nullrunde, obwohl die Löhne im Jahr 2009 gesunken waren. Zum Ausgleich für diese Rentengarantie werden aber etwaige Rentenerhöhungen ab dem kommenden Jahr halbiert.