China und Griechenland wollen eine "strategische Kooperation" vereinbaren, Griechenland solle zur Drehscheibe für chinesische Exporte nach Südosteuropa werden. Außerdem will China griechische Staatsanleihen kaufen. Das hat der chinesische Regierungschef Wen Jiabao bei einem Besuch in Athen angekündigt. Im griechischen Parlament bekräftigte Wen: "Wir sind sicher: Griechenland wird die Krise überwinden. Dazu sind wir (Peking) bereit, uneigennützig zu helfen."

Griechenland selbst will seine Sparpolitik im kommenden Jahr noch einmal verschärfen. Im Entwurf des Haushaltes 2011 sind zusätzliche neue Einnahmen in Höhe von 2,36 Milliarden Euro vorgesehen, wie die Zeitung Eleftherotypia berichtete. Sie sollen hauptsächlich aus einer Sonderbesteuerung großer Unternehmen, der Erhöhung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes von 11 auf 13 Prozent, Sondersteuern für die Legalisierung von ohne Genehmigung errichteten Bauten sowie einer neuen Steuer auf Glücksspiele kommen.

Zudem sollen die staatlichen Ausgaben um 800 Millionen Euro reduziert werden. Das Finanzministerium in Athen rechnet damit, das Haushaltsdefizit des Jahres 2009 (13,7 Prozent) bis Ende 2010 auf 7,9 Prozent senken zu können. Im Jahr 2011 soll es dann auf 7,2 Prozent verringert werden. Der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou hatte am Donnerstag und Freitag den Haushaltsentwurf der EU präsentiert. Athen steht unter strikter Aufsicht der EU und des IWF und muss sein Defizit bis 2014 unter die Grenze von 3 Prozent drücken.

China und Griechenland sowie Vertreter von Unternehmen beider Seiten unterzeichneten insgesamt elf Kooperationsabkommen in den Bereichen Schifffahrt, Handel, Kultur und Tourismus. Peking wolle seine Importe griechischer Produkte verdoppeln, erklärte Wen. "Die guten Freunde sind da, um zu helfen, wenn einer es braucht." Papandreou erwiderte: "Für uns ist das eine sehr wichtige Vertrauensbekundung."

Peking will nach übereinstimmenden Medienberichten Griechenland zur Drehscheibe für seine Exporte in den Südosten und Osten Europas machen. Bereits seit 2008 ist das chinesische Transportunternehmen COSCO am Container-Hafen von Piräus beteiligt.

Außerdem plane Peking ein Umschlagslager für seine Produkte nahe der Hafenstadt Eleusis westlich von Athen, hieß es. Auch im Hafen von Thessaloniki im Norden des Landes wollen sich die Chinesen demnach engagieren. Zudem sollen sie Interesse am Kauf von Teilen der griechischen Eisenbahnen (OSE) geäußert haben.

Wen kündigte zudem an, sein Land werde griechischen Reedern günstige Kredite anbieten, damit sie weitere Schiffe in China herstellen ließen. Griechische Reeder lassen zurzeit etwa 300 Schiffe in China bauen. Das Investitionsabkommen sieht unter anderem den Bau von sechs Schiffen für griechische Reedereien vor, darunter zwei Frachter im Wert von 111 Millionen Dollar (etwa 80,5 Millionen Euro) und 84,5 Millionen Dollar sowie ein Tanker im Wert von 75 Millionen Dollar.

Das Abkommen über Pekings Investitionen in Griechenland steckt demnach den Rahmen für konkrete Projekte ab. China hat in dem Land vor allem Interessen im Transportwesen, an Handelsrouten nach Europa und in den Balkan sowie am Import griechischer Produkte wie Oliven und Marmor. Das zweite Abkommen sieht einen verstärkten kulturellen Austausch beider Länder zwischen 2011 und 2013 vor.

Wen traf am Samstagnachmittag in Athen ein und ist noch bis Montag in Griechenland unterwegs. Seine Europareise führt ihn anschließend nach Belgien, Italien und in die Türkei.