Manipulation ist der neue Trend des Herbstes – diesmal nicht in den Händlersälen der großen Banken oder ihren Kredit- und Verbriefungsabteilungen, sondern am Devisenmarkt. China stützt sein Exportmodell schon lange auf einen künstlich weich gehaltenen Yuan. Jetzt ziehen andere nach, unter ihnen Japan, Südkorea und Brasilien. Es heißt, mehr als die Hälfte des Welthandels entfalle auf Länder, die ihren Wechselkurs manipulieren.

Vergessen scheinen die Vorsätze von vor zwei Jahren, als Ökonomen und Wirtschaftspolitiker in der Krise die Zeit des Rebalancing ausriefen. Damals schien klar: Die globalen Ungleichgewichte hatten die Welt in schwere Turbulenzen gestürzt, jetzt muss die Weltwirtschaft zurück in die Balance.

Seither hat sich nicht viel geändert. China setzt immer noch auf den Export als Wachstumstreiber – der Yuan wurde nur graduell aufgewertet. Nur sehen sich die USA seit neuestem nicht mehr in der Lage, weiterhin die Rolle des Powershoppers zu spielen. Stattdessen wollen sie sich mit Zöllen gegen chinesische Billigimporte schützen und am liebsten selbst zur Exportnation werden.

Bloß: Irgendjemand muss die Produkte kaufen. Es kann nicht funktionieren, wenn alle Länder ihr Heil in einem Handelsüberschuss suchen, Importe durch Zölle verteuern und Exporte durch eine Abwertung der eigenen Währung verbilligen. Der daraus resultierende "Währungskrieg", den Brasilien soeben ausrief, kann schnell in schwere politische Konflikte münden. Die Lage scheint noch verfahrener als vor der Krise.

Schnelle Lösungen sind nicht in Sicht. Die Vergangenheit hat gezeigt, wie schwierig es ist, Währungen kontrolliert auf- oder abzuwerten. In den achtziger Jahren ging das gleich zwei Mal schief. Zuerst stürzte der Dollar ab, dann stieg der Yen so stark im Wert, dass Japan bis heute darunter leidet.

Wie der Konflikt ausgeht, ist letztlich eine Machtfrage. Peking bleibt in der Sache unnachgiebig, doch ohne China ist eine koordinierte Währungspolitik nicht möglich. Dem Westen bleibt kaum mehr, als um mehr Kooperationsbereitschaft zu werben – und sich mit kleinen Fortschritten zufriedenzugeben.