Der deutsche Aufschwung steht dank steigender Konsumausgaben auf stabilen Füßen: Die Binnenkonjunktur sorgt inzwischen für mehr als die Hälfte des Wachstums. Im Vergleich zum Vorquartal legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Vierteljahr real um 0,7 Prozent zu. Das berichtete das Statistische Bundesamt und bestätigte damit seine erste Berechnung.

Und es sieht so aus, dass sich dies fortsetzt: Die Marktforscher von der Gesellschaft für Konsumforschung sagen für das Jahresende das beste Konsumklima seit Oktober 2007 voraus. Für 20001 erwarten die Wirtschaftsweisen, dass die Konsumausgaben weiter steigen – um 1,6 Prozent. "Die Leute haben das Gefühl, dass der Arbeitsplatz sicherer ist", sagte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim zur Begründung.

Ungeachtet der neu entflammten Sorgen um die Schuldenländer im Euro-Raum wird Deutschland damit sein robustes Wachstum nach Überzeugung von Volkswirten fortsetzen. So erwartet etwa die Commerzbank 2010 einen BIP-Anstieg von rund 3,5 Prozent und 2011 von 2,6 Prozent. Nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank ist die Aufwärtsbewegung derzeit recht gefestigt. 

Nach dem Rekord-Quartalswachstum von 2,3 Prozent zuvor hat sich die Dynamik damit zwar abgeschwächt. Dafür wird das Wachstum von Europas Konjunkturlokomotive inzwischen nicht mehr nur von der starken Exportwirtschaft getragen. Vielmehr kamen positive Impulse vor allem aus dem Inland: Investitionen stiegen um 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, private Konsumausgaben um 0,4 Prozent und staatliche um 1,1 Prozent. Bauinvestitionen nahmen nach dem starken Vorquartal um 0,4 Prozent ab.

Im Vergleich zum dritten Quartal 2009 legte die Wirtschaftsleistung preisbereinigt um 3,9 Prozent zu. Im Krisenjahr 2009 war die Konjunktur um 4,7 Prozent abgestürzt.

"Es wird wieder investiert, die Beschäftigung nimmt dynamisch zu, die Einkommen steigen, und der private Konsum trägt zunehmend das Wachstum in Deutschland", sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle. "Dem großen Aufschwung-Sommer folgt ein goldener Konjunktur-Herbst", betonte der FDP-Politiker.

Positiv bewerten Experten neben den boomenden Exporten vor allem die anziehende Binnennachfrage. "Wir werden unabhängiger vom Auf und Ab der Weltkonjunktur", sagte Unicredit-Ökonom Andreas Rees. "Das ist auch ein sehr starkes politisches Signal, weil Deutschland damit einen Teil zum Abbau der weltweiten Ungleichgewichte leistet."

Trotz des kräftigen Aufschwungs warnte Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt vor Euphorie. Die deutsche Wirtschaft komme aus einem sehr tiefen Tal und werde erst Ende nächsten Jahres wieder das Vorkrisenniveau erreichen, sagte er. Ratschläge aus der Politik, nun höhere Lohnabschlüsse zu vereinbaren, kritisierte er als "nicht hilfreich".