An Ein-Euro-Jobs hat der Staat mehrere Bedingungen geknüpft: So dürfen deren Inhaber nur Arbeit verrichten, die ansonsten liegen bliebe. Hinzu kommt, dass die Arbeit im öffentlichen Interesse sein muss, also gemeinnützig. Das soll garantieren, dass Ein-Euro-Jobber am Markt tätige Unternehmen nicht aus dem Geschäft drängen.

Die Praxis sieht vielfach anders aus: So beseitigten die staatlich finanzierten Ein-Euro-Jobber illegalen Müll, sie halfen beim Umzug eines städtischen Bauhofs oder sie putzten Nasszellen in einem Altenheim. Dies stellt der Bundesrechnungshof fest, der die Arbeit mehrerer Jobcenter untersuchte.

Damit geben die Aufseher in ihrem Bericht Unternehmen Recht, die die Jobs als Konkurrenz im eigenen Geschäftsfeld sehen. Die Kontrolleure bemängeln, dass in mehr als der Hälfte der geprüften Fälle von Ein-Euro-Jobs der Staat hätte kein Geld geben dürfen. Entweder habe es sich bei den Arbeiten nicht wie vorgeschrieben um eine zusätzliche Tätigkeit im Interesse der Allgemeinheit gehandelt oder aber sei durch die Ein-Euro-Jobs nicht geförderten Unternehmen Konkurrenz gemacht worden, hieß es in dem Report, aus dem die Süddeutsche Zeitung zitiert.

Doch Ein-Euro-Jobs sollen auf keinen Fall dazu führen, dass regulär beschäftigte Arbeitnehmer ihre Stelle verlieren. Da aber die Jobcenter nach dem Urteil des Rechnungshofes diese Voraussetzungen nicht ausreichend prüfen, könnten Kommunen, Wohlfahrtsverbände oder Unternehmen aus der Weiterbildungsbranche "ungeförderte Tätigkeiten im ersten Arbeitsmarkt durch öffentlich geförderte Beschäftigung ersetzen und so ihre Personalkosten reduzieren", heißt es in dem Bericht.

Die Rechnungsprüfer kritisieren weiter, dass die Jobcenter sich bei der Beschaffung von Arbeitsgelegenheiten "seit dem Jahr 2005 nicht merklich verbessert" hätten. Die Arbeitsvermittler machen es sich aus Sicht der Prüfer mit den Langzeitarbeitslosen zu leicht. Jobcenter wiesen nach wie vor "meist wahllos Arbeitsgelegenheiten" zu, ohne die Hilfsbedürftigen weiter zu beraten und individuelle Ziele für die Teilnahme festzulegen, hieß es.

In der Mehrzahl der Fälle würden die geförderten Jobs somit nicht helfen, "die individuellen Vermittlungshemmnisse erwerbsfähiger Hilfebedürftiger zu verringern". Die geförderten Arbeitsgelegenheiten seien in der Mehrzahl der Fälle nicht geeignet, die Chancen von Langzeitarbeitslosen "auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen" , heißt es in der Untersuchung.

Für den Bericht untersuchten die Prüfer für das Bundesarbeitsministerium als zuständige Aufsichtsstelle die Vergabe in mehreren Jobcentern, aber auch bei rein kommunalen Trägern, die sich um Langzeitarbeitslose kümmern.

Ein-Euro-Jobs sollen eigentlich bewirken, dass Langzeitarbeitslose der Weg zurück in die Erwerbstätigkeit offen bleibt. Die Inhaber erhalten für ihre gemeinnützige Arbeit zusätzlich zur Grundsicherung eine Entschädigung von etwa 1,50 Euro pro Stunde. Arbeitgeber sind meist gemeinnützige Vereine oder öffentliche Träger wie etwa Kindergärten, Altenheime, Bauhöfe.

Ein-Euro-Jobs gibt es seit 2005. Eingeführt hatte sie die rot-grüne Bundesregierung im Zuge der Hartz-Reform. 2009 gab es laut Bundesagentur für Arbeit etwa 280.000 Menschen in Ein-Euro-Jobs. Die Agentur gab dafür etwa 1,7 Milliarden Euro aus. ( Hier stand ursprünglich die Zahl 17 Milliarden. Ein ärgerlicher Tippfehler. Wir bitten um Entschuldigung, die Red. )