Der Kampf gegen die Schuldenkrise in der Euro-Zone könnte die Europäer teurer zu stehen kommen als anfangs gedacht . Nach Griechenland und Irland gelten nun auch Spanien und vor allem Portugal als Kandidaten für die Hilfsgelder aus dem Euro-Rettungsschirm , den die EU-Kommission und der Internationale Währungsfonds (IWF) im Mai aufgespannt hatten. Rund 750 Milliarden Euro hatten sie dafür vorgesehen – eine Summe, die nun nicht mehr ausreichen könnte.

Ökonomen sprechen sich deshalb für eine deutliche Aufstockung des Rettungsfonds aus. Anderenfalls, so ihre Argumentation, könne man die Finanzmisere vieler Euro-Staaten nicht eindämmen. Auch die Finanzmärkte könnten dann nicht davon überzeugen werden, dass sich Investitionen in die Krisenstaaten lohnen.

Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) schlägt eine Erhöhung des Garantierahmens um 500 Milliarden Euro auf 1,25 Billionen Euro vor. Zur Beruhigung der Märkte sollte die Aufstockung "so schnell wie möglich" gemacht werden, sagte HWWI-Finanzexperte Henning Vöpel der Bild -Zeitung. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, hält sogar eine Verdoppelung des Garantierahmens auf 1,5 Billionen Euro für "vorstellbar".

Als einer der ersten hatte Bundesbank-Präsident Axel Weber eine Erhöhung der Hilfen ins Spiel gebracht . Bei einem Besuch in der deutschen Botschaft in Paris hatte er zwar gesagt, dass das Geld "mehr als genug sei, um Attacken auf die Euro-Zone abzuwehren". Er fügte jedoch hinzu: "Wenn der Rettungsschirm dennoch nicht ausreichen soll, bin ich sicher, dass die Euro-Staaten noch mehr Geld zur Verfügung stellen würden."

Medienberichten zufolge hat die EU-Kommission selbst eine Verdopplung des eigenen Anteils von 440 Milliarden Euro am Rettungsfonds vorgeschlagen. Dies wurde von der Brüsseler Behörde jedoch umgehend zurückgewiesen. 

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sprach sich gegen eine Aufstockung aus. "Ich halte von den Forderungen gar nichts", sagte der CDU-Politiker. "Es wird derzeit unheimlich viel spekuliert", sagte Schäuble. "Und da gewinnen auch ganz abseitige Äußerungen plötzlich eine Bedeutung und verunsichern die Märkte, und das schafft zusätzliche Unruhe." Er äußerte die Hoffnung, dass kommende Woche "wieder Ruhe in die Märkte einkehrt und damit diese völlig übertriebenen Spekulationen auch beendet werden".

Ob Schäubles Erwartungen erfüllt werden, ist aber ungewiss – vor allem angesichts jüngster Meldungen. So berichtet die Financial Times Deutschland , dass die Europäische Zentralbank (EZB) und eine Mehrheit der Euro-Länder Portugal dazu drängen, einen Antrag auf EU-Hilfen zu stellen . Die Banken des Landes seien zwar nicht so hoch verschuldet wie die irischen Finanzinstitute, aber derzeit offenbar bei ihren Geschäften ebenfalls auf Geld der EZB angewiesen. Dem Blatt zufolge wollen die Europäer durch ihren Druck auf die Regierung in Lissabon, Spanien vor einer Rettungsaktion bewahren. "Wenn Portugal den Schirm nutzen würde, wäre das für Spanien gut, weil das Land in Portugal stark engagiert ist", zitierte die Zeitung aus Kreisen des Bundesfinanzministeriums.

Die Regierung in Lissabon wies solche Berichte zurück. "Dieser Artikel ist vollkommen falsch, er ist ohne Grundlage", sagte ein Sprecher. Auch die Spanier dementierten jedweden Druck auf die Nachbarn an der Südspitze Europas. "Spanien will, dass Portugal seinen Haushalt verabschiedet und sein Stabilitätsprogramm erfüllt", sagte ein Vertreter der Regierung in Madrid.

Neben der Debatte um die gegenwärtigen Probleme diskutieren Politik und Wirtschaft auch über den permanenten Krisenmechanismus, der den bestehenden Mechanismus nach 2013 ablösen soll. So sollen etwa die Besitzer von Staatsanleihen bei Hilfen für überschuldete Euroländer in die Pflicht genommen werden. Für diese Pläne hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel offensiv geworben – und wurde dafür heftig kritisiert . Auch der Chef der Deutschen Bank bezeichnete die Aussagen als "sehr unglücklich". Josef Ackermann plädiert stattdessen für eine freiwillige Gläubigerbeteiligung: "Im Wesentlichen muss es freiwillige, marktorientierte Lösungen geben."