Nach den Notenbanken in den USA und Großbritannien hat nun auch die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins wie erwartet auf seinem aktuellen Niveau von einem Prozent belassen. Das teilte die Notenbank nach einer Sitzung des EZB-Rats in Frankfurt mit.

Vor der EZB hatte bereits die Bank von England ihren Leitzins bei 0,5 Prozent bestätigt. Am Vorabend hatte die Federal Reserve in Washington erklärt, dass sie für weitere 600 Milliarden Dollar Staatsanleihen kaufen und so die Wirtschaft der Vereinigten Staaten ankurbeln will.

Zu solch drastischen Mitteln sahen die europäischen Währungshüter noch keine Veranlassung. Zudem kaufte die Zentralbank in den vergangenen drei Wochen keine Staatsanleihen mehr von Schuldenländern wie Griechenland, Portugal und Irland. EZB-Chef Jean-Claude Trichet betonte jedoch, dass das im Mai aufgelegte Programm trotzdem noch nicht beendet worden sei. Noch immer betrachte man die wirtschaftliche Erholung in den 16 Euroländern sowie die Staatsschuldenkrise mit Sorge.

Sowohl der Anleihenkauf im Euro-Raum als auch die Politik des billigen Geldes durch die Fed ist international heftig umstritten. Viele Länder fürchten, dass ihre Währungen über Kapitalimporte aus den USA aufwerten und die heimische Wirtschaft in Bedrängnis bringen.

Zur starken Abwertung des Dollar nach dem Beschluss der Fed wollte sich Trichet nicht äußern. "Ich habe keine Anzeichen dafür, dass der Chef der Federal Reserve oder der Finanzminister – oder sogar der Präsident der USA – das Spiel des schwachen Dollar spielen", sagte der EZB-Chef. Er gehe weiter davon aus, dass ein starker Dollar im Interesse der USA sei, wie es Vertreter der weltgrößten Volkswirtschaft immer wieder betonten. "Ich teile diese Ansicht. Ich habe keinen Grund ihnen nicht zu trauen."