Der Bankenkollaps in Irland und die Flucht des Landes unter den Rettungsschirm der EU hat die Debatte über die Kosten der Krise und wer sie schultern muss erneut entfacht. 90 Milliarden Euro soll das Land bekommen, knapp 17 Milliarden aus Deutschland. Diese Hilfskredite addieren sich zu anderen Garantien und Darlehen, wie sie etwa die Hypo Real Estate bekam, die erst im September weitere 40 Milliarden Euro an Staatsbürgschaften brauchte.

Doch auch wenn diese Summen gewaltig sind, diese direkten Kosten der Krise dürften nur den kleinsten Teil der Gesamtsumme ausmachen. Zum einen wird wohl zumindest ein Teil der Darlehen am Ende zurückgezahlt. Zum anderen aber sind diese schon großen Beträge klein im Vergleich zum Verlust an Löhnen, Produktion und Gewinnen in Deutschland während der Krise.

Deutschlands Wirtschaftsleistung ist 2009 in einem bislang nicht bekannten Ausmaß eingebrochen. Nach aktuellen Daten ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 4,7 Prozent zurück. Zwar ist die Wirtschaft seitdem wieder kräftig gewachsen; es wird aber mindestens noch bis Ende 2011 brauchen, bis die Wirtschaftsleistung das Vorkrisen-Niveau wieder erreicht hat.

Allein für ein Jahr bedeutet ein Einbruch des BIP von 4,7 Prozent eine entgangene Wirtschaftsleistung von deutlich mehr als 100 Milliarden Euro. Wenn die Rückkehr zum alten Trend mehrere Jahre dauert, können damit schnell enorme Summen zusammenkommen. Die entgangene Wirtschaftsleistung bedeutet entgangene Löhne, Unternehmensgewinne, unterbliebene Investitionen und dadurch langsameren technologischen Fortschritt.

Es lässt sich sogar argumentieren, dass die Beträge, die Bund und Länder zur Bankenrettung aufgewendet haben, gesamtwirtschaftlich gar keine Kosten sind: Wenn der Bund mit Kapitalspritzen etwa an die Hypo Real Estate für Verbindlichkeiten gegenüber der Bank eingetreten ist, hat zwar der Bund Gelder in dieser Höhe verloren, gleichzeitig aber hat ein privater Gläubiger gegenüber der Situation eines Nichtstuns des Staates Mittel in gleicher Höhe gewonnen. Solche Transaktionen sind mithin als Transfers zu sehen, die gesamtwirtschaftlich keine Kosten darstellen.

Der Verlust an Bruttoinlandsprodukt, den Deutschland hingegen durch die Krise erlebt hat, ist kein Transfer. Für die politische Diskussion ist es wichtig, diesen Schaden zu beziffern. Wenn es um die Frage geht, welche Wachstumseinbußen etwa möglicherweise mit einer schärferen Regulierung des Finanzsektors einhergehen oder ob die Steuerbelastung des Finanzsektors durch eine Finanztransaktionssteuer angemessen ist, so ist eine wichtige Referenz jeweils der Schaden, den die Finanzkrise verursacht hat.

Um den Verlust zu beziffern, muss man Annahmen treffen, wie sich die Wirtschaft ohne Krise entwickelt hätte und wie sie sich in den kommenden Jahren nach der Krise entwickeln wird. Relativ einfach ist ein Wachstumsszenario ohne Krise: In einem solchen Fall kann einfach der Trend aus der Vergangenheit fortgeschrieben werden. Hier wurde angenommen, dass die deutsche Wirtschaft um jährlich 1,75 Prozent wächst.