Frage: Herr von Bomhard, was ist für Sie schlimmer: Wenn der Klimagipfel in Cancun scheitert oder wenn Irland unter den Euro-Rettungsschirm huscht ?

Bomhard: Für unser Unternehmen ist alles, was sich um das Klima dreht, am Ende relevanter. Die Finanzkrise und ihre Folgen waren aus unserer Sicht bisher beherrschbar, und wir glauben, dass das auch so bleiben wird. Hier haben wir unser Schicksal weitgehend selbst in der Hand. Und: Die Finanzkrise ist irgendwann beendet. Der Klimawandel jedoch wird Generationen beschäftigen. Wir tun, was wir tun können, aber hier sind wir nur ein kleines Sandkorn.

Frage: Wie viel Geld haben Sie in irischen Staatsanleihen investiert?

Bomhard: Wir haben insgesamt 80 Milliarden Euro in Staatsanleihen investiert, um die drei Prozent davon in irische Papiere . Nimmt man alle PIIGS-Staaten, also Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien, sind es 15 Prozent. Wenn man seine Anlagen streut, kann man diesen Turbulenzen nicht völlig aus dem Weg gehen. Wir tun dies aber mit begrenztem Risikoappetit, denn wir wollen vor allem Versicherungsrisiken übernehmen, nicht Marktrisiken. Ein viel größerer Teil unserer Anlagen steckt in deutschen Staatsanleihen. Deren Kurs ist wegen der Turbulenzen in den genannten Ländern deutlich gestiegen. Unterm Strich haben wir durch diesen Wertzuwachs von der Krise bislang sogar profitiert.

Frage: Sie können aber Ihre deutschen Anleihen nicht verkaufen, weil sie nicht wissen, wie Sie das Geld sonst anlegen sollten.

Bomhard: Ja, das ist richtig, deshalb verkaufen wir sie grundsätzlich auch nicht. Nur im Kontext unseres aktiven Portfoliomanagements realisieren wir gelegentlich Gewinne. Andernfalls müssten wir das Geld, das frei wird, in der Tat zu grausam tiefen Zinsen anlegen.

Frage: Die Bundesregierung will Gläubiger von notleidenden Euro-Anleihen stärker zur Verantwortung ziehen. Würden Sie noch Staatspapiere aus Griechenland kaufen, wenn Sie damit rechnen müssten, 30 oder 40 Prozent abzuschreiben?

Bomhard: Grundsätzlich gilt doch: Bei höheren Risiken erhält man höhere Zinsen. Wenn vorher bekannt ist, dass ein Papier im Feuer stehen kann, ist also der Zins entsprechend höher. Dann muss man sich überlegen, ob man solche Anlagen ins Portefeuille nehmen will. Wir kaufen praktisch keine Hochrisikoanleihen. Wir mischen unsere Anlagen und legen überwiegend konservativ an. Natürlich müssen wir unsere Anlagen streuen, aber wir werden nicht massenhaft Zehnprozenter kaufen. Und ich finde es richtig, Gläubiger in die Pflicht zu nehmen. Denn wer den Zins mitnimmt, muss auch das Risiko mitnehmen. Bisher ist das oft nicht so, weil implizite Staatsgarantien das Risiko abdecken. Dem Kapitalmarkt tut das nicht gut.

Frage: Also verhält sich die Bundesregierung richtig?

Bomhard: Sie ist auf dem richtigen Weg. Zunächst geht es vor allem darum, die noch präsente Krise zu bewältigen . Der Rettungsschirm war und ist das richtige Instrument zur Marktberuhigung. Problematisch bleibt die Geschwindigkeit, mit der die Politik ihre Entscheidungen trifft. Wenn beispielsweise 27 EU-Mitglieder eine Entscheidung treffen wollen, während der Kapitalmarkt schon Druck macht, sind die jeweiligen Entscheidungsprozesse hierfür zu langsam. Die Politik wird damit schnell zum Getriebenen des Kapitalmarkts. Gleichwohl sehe ich weiter keine unmittelbare Gefahr für den Euro. Jedenfalls aber muss man vor der nächsten Krise Vorkehrungen in der EU schaffen, die diese Situation gar nicht erst entstehen lassen.

Frage: Kommt die Finanzkrise zurück?

Bomhard: Wir sind noch nicht durch, das ist offensichtlich. Es genügen kleine Unsicherheiten, um das Feuer wieder zu entfachen. Die Lage ist weiter labil.

Frage: Können die Versicherer angesichts solcher Verhältnisse überhaupt noch 30-jährige Garantien für die Verzinsung einer Lebensversicherung abgeben?

Bomhard: Es ist das Wesensmerkmal der Lebensversicherung, dass sie lang laufende Garantien ausspricht. Die Mischung aus Zinsgarantie und der Abdeckung biometrischer Risiken wie dem Todesfall macht das Alleinstellungsmerkmal der Lebensversicherung aus. Ein attraktives Produkt für die Kunden gerade in dieser Zeit. Aber die Versicherer müssen die Garantien am Markt erwirtschaften. Für lang laufende Garantien braucht man lang laufende Anlagen.