"Umwelt- und Klimaschutz sind und bleiben auch künftig zentrale Herausforderungen für die industrielle Produktion" schreibt Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle in seinem jüngsten Papier zum Industrieland Deutschland. Es stimmt: Die Industrie ist das Zugpferd der deutschen Volkswirtschaft und hat geholfen, die Krise rasch zu überwinden. Zu Recht weist der Minister darauf hin, dass viele Unternehmen die Chancen erkannt haben, die der Umweltschutz ihnen eröffnet. Deutsche Firmen sind hier seit langer Zeit führend.

Diese Spitzenstellung ist ein Resultat gezielter wirtschaftlicher Unterstützung durch effektive Umweltschutzpolitik. Der Minister irrt, wenn er vor zu starken Belastungen durch nationale Alleingänge warnt. Kluger Klimaschutz schafft keine Wettbewerbsnachteile, sondern Chancen. 

Sicherlich ist es wichtig, darauf zu achten, dass energieintensive Industrien nicht über die Gebühr belastet werden. Genau dies wird ja auch mit den Ausnahmen zur Ökosteuer oder Verkauf von Emissionszertifikaten berücksichtigt. Aber noch wichtiger ist es, stärker auf die wirtschaftlichen Chancen durch verbesserte Energie-, Material- und Rohstoffeffizienz hinzuweisen und Industrien darin zu unterstützen, geeignete Verfahren und Produkte zu entwickeln. Der Minister scheint dagegen wohl eher Nachteile des Umweltschutzes zu sehen.

Marktwirtschaftliche Instrumente allein können keine ausreichenden Anreize zum Umbau des Energiesystems liefern. Hier braucht es gezielte Regulierung und finanzielle Unterstützung, um den enormen wirtschaftlichen Kraftakt zu bewältigen. Aber der notwendige Umbau kann Wachstumsimpulse für innovative deutsche Unternehmen bringen. Neben Energieanbietern und Infrastrukturunternehmen werden Anbieter von nachhaltiger Mobilität, Energieeffizienz und intelligenten Netzen profitieren.

Der Wettbewerb um die besten Ideen und Umsetzungsprozesse in puncto Klimaschutz muss auch von der internationalen Politik aktiv unterstützt werden. Auf der kommenden Klimakonferenz in Cancún sollten die beteiligten Länder Positivziele formulieren anstelle von Negativzielen. Sie könnten zeigen, wie Industrienationen vom Klimaschutz profitieren können. Anstelle von Treibhausgasminderungszielen sollten Ziele für Energieeffizienz, erneuerbare Energien oder klimaschonende Produkte vereinbart werden.