Irland hat sich verspekuliert. Lange war die grüne Insel so etwas wie das Eldorado der Finanzindustrie. Doch nun leidet das Land unter einer ausgereiften Bankenkrise und muss sich unter den Rettungsschirm der EU flüchten. Eine ganze Nation steht vor einem Abstieg, der lang und schmerzhaft werden wird.

Schuld daran ist vor allem eine viel zu laxe Finanzaufsicht. In kaum einem anderen Land der Euro-Zone wurden die Banken so wenig überwacht wie hier . Der Andrang war entsprechend groß und die Iren lockten die Zocker noch mit sehr niedrigen Steuern. Auch viele deutsche Banken eröffneten Dependancen in Dublin, um von dort über ihre Zweckgesellschaften munter mit Derivaten zu spekulieren. Die Depfa, eine Tochter der mittlerweile verstaatlichen Hypo Real Estate, verlegte sogar ihren Sitz in die irische Hauptstadt. Niedrige Zinsen und eine großzügige Kreditvergabe produzierten eine immense Spekulationsblase – ähnlich der in Spanien und den USA. Der Immobilienmarkt erwirtschaftete zeitweise 15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Irland war das Kasino Europas.

Im Rest der Welt wurde das Land für seine Erfolge gefeiert. In Deutschland hatte der keltische Tiger Vorbildcharakter. "Kontaktfreudig und serviceorientiert" sei die Finanzaufsicht in Irland, schrieb eine große deutsche Wirtschaftszeitung 2005 und übertitelte den Artikel mit "Dublin will Frankfurt den Schneid abkaufen". Für die konservative Heritage Foundation war Irland über Jahre eines der wirtschaftlich "freiesten" Länder der Welt.

Doch jetzt bekommen die Iren mit voller Wucht die Folgen der mangelnden Regulierung und der Gier nach Größe zu spüren. Das Bruttoinlandsprodukt fiel 2009 um 7,1 Prozent, die Arbeitslosigkeit stieg auf mehr als zehn Prozent. Allein im nächsten Jahr will die irische Regierung sechs Milliarden Euro einsparen. In den kommenden vier Jahren sollen die Ausgaben um 15 Milliarden Euro gekürzt werden. Irland muss außerdem sein Bankensystem komplett neu aufstellen und die niedrigen Unternehmenssteuern anheben.

So schnell also kann ein solches Wachstumsmodell an sein Ende kommen. Der keltische Tiger ist tot. Die Party der Banken aber geht weiter . Nur suchen sie sich eben einen neuen Ort dafür.