Irland steuert in diesem Jahr auf ein Haushaltsdefizit von 32 Prozent der Wirtschaftsleistung zu. Als erstes Land wird es daher offiziell um Finanzhilfe aus Mitteln des Rettungsschirms der Euroländer und des Internationalen Währungsfonds bitten. Der irische Finanzminister will seiner Regierung empfehlen, ein Hilfspaket der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds (IWF) für das verschuldete Land zu beantragen. Dies sagte Brian Lenihan dem staatlichen Rundfunksender RTE.

Die irische Bevölkerung reagierte geschockt auf die Nachricht. Irlands Ministerpräsident Brian Cowen hatte noch am Mittwoch gesagt , er habe keine Hilfen aus Brüssel beantragt. Die irische Regierung hatte bisher die Ansicht vertreten, Hilfen für den irischen Staatshaushalt seien trotz des erheblichen Schuldenberges nicht notwendig – das Land sei bis Mitte 2011 durchfinanziert.

Irische Medien bezichtigen die Regierung jetzt der Lüge und fordern sie zum Rücktritt auf. Bis zuletzt hatten die Regierungsvertreter Dublins bestritten, in Gesprächen mit EU und IWF zu sein, obwohl informelle Diskussionen dazu längst liefen. "Ihr habt gelogen. Ihr habt uns enttäuscht. Tretet zurück", titelte etwa die Zeitung Sunday Independent unter einem Foto aller Kabinettsmitglieder.

Zur Höhe der benötigten Hilfen wurde noch nichts bekannt, es gehe um "mehrere zehn Milliarden Euro", hatte der Finanzminister gesagt. Irland benötigt schätzungsweise zwischen 40 und 100 Milliarden Euro, um seine Bankenkrise in den Griff zu bekommen.

Die Zinsen, die Irland für die Kredite zahlen muss, werden um die fünf Prozent liegen, verlautete es aus der EU-Kommission. Das ist deutlich unter den Marktzinsen, die Dublin derzeit zahlen muss, und entspricht in etwa den Zinsen, die Griechenland für die EU-Hilfe zahlt. Irische Staatsanleihen werden im Moment mit Zinsen von mehr als acht Prozent gehandelt. 

Im Gegenzug für die Milliarden-Hilfen müssten sich die Bürger in Irland auf drastische Kürzungen im Sozialbereich einstellen. Die Regierung wolle unter anderem bei Zuwendungen für Kinder, Mindestlöhnen und beim Arbeitslosengeld ansetzen, berichteten irische Medien am Wochenende. Ziel ist es, 15 Milliarden Euro bis zum Jahr 2014 einzusparen. Schon Griechenland hatte Mitte diesen Jahres für Hilfen von EU und IWF seinen Bürgern Kürzungen zumuten müssen. Seitdem kommt es immer wieder zu Protesten .