Die Finanzhilfen für das kriselnde Irland haben die Situation der irischen Staatsanleihen nur vorübergehend stabilisiert. Die Risikoaufschläge stiegen im Lauf des Tages wieder, nachdem sie am Morgen auf unter acht Prozent gesunken waren.

Die zugesagten Kredite der EU verschafften den Börsen und dem Euro zeitweise Auftrieb, später sank der Kurs der Gemeinschaftswährung aber wieder. Der Euro stieg zunächst auf 1,3745 Dollar und fiel dann auf 1,3641 Dollar – knappe einen halben US-Cent unter dem New Yorker Freitagsschluss. Am Nachmittag dann notierte der deutsche Leitindex Dax bei 6828 Punkten um 0,22 Prozent tiefer. Am Morgen war er noch um 0,8 Punkte auf 6901 Punkte gestiegen – so hoch wie seit Juni 2008 nicht mehr.

Experten führten die Marktschwäche darauf zurück, dass Irland noch keine Details des Rettungs- und Sparpakets bekannt gegeben habe. David Buik, Marktstratege bei BGC Partners in London, sagte, der Markt warte auf "harte Fakten" und könne bislang nur spekulieren. "Langfristig ist mit einer Rettung Irlands sowieso nichts gewonnen", sagten Analysten der Commerzbank.

Die Finanzminister der Euro-Länder hatten am Sonntagabend einem Rettungspaket für Irland zugestimmt, nachdem Irlands Ministerpräsident Brian Cowen sich am Wochenende dem Druck der Märkte gebeugt und EU und Internationalen Währungsfonds um finanzielle Hilfe gebeten hatte. Aus EU-Kreisen verlautete, das Hilfspaket für Irland werde wahrscheinlich einen Umfang von bis zu 90 Milliarden Euro haben. Teile des Hilfspaketes betreffen die geschwächte irischen Banken Allied Irish Bank und Bank of Ireland.

Viele Banken der Inselrepublik sind wegen der Finanz- und Immobilienkrise in wirtschaftliche Probleme geraten und mussten vom Staat mit Milliardenbeträgen gestützt werden. Im Gespräch sind nach Diplomatenangaben 80 bis 90 Milliarden Euro. Über die genaue Höhe und die Auflagen entscheiden die Finanzminister, sobald die Experten-Gespräche in Dublin abgeschlossen sind. Dies könnte noch einige Tage in Anspruch nehmen.

"Das ist eine große Beruhigungspille", hatte Florian Weber, Handelsvorstand bei der Schnigge Wertpapierhandelsbank, die morgendliche Reaktion des Marktes kommentiert. "Europa ist wieder in der Spur", sagten auch die Analysten der Close Brothers Seydler Bank. Anders als im Falle Griechenlands habe die EU dieses Mal schnell reagiert.

Händler warnten allerdings vor zu viel guter Stimmung: "Die Frage ist doch, ob der Markt nicht zu kurzsichtig auf Irlands Entscheidung reagiere", gab Handelsexperte Weber zu bedenken. Zudem seien noch nicht alle Details bekannt, und nun dürfte eines der anderen hoch verschuldeten Länder der Euro-Zone in den Fokus geraten. "Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich der Markt auf Portugal oder Spanien stürzen wird", sagte ein weiterer Broker. 

Genau diese Art von Dramatisierung wollen die EU und die Mitglieder der Euro-Zone vermeiden. Deutschland und die anderen Länder bemühen sich deshalb, die Märkte zu beruhigen. "Der Euro ist nicht in Gefahr, Europa ist nicht in Gefahr", sagte der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn. "Wir hoffen, dass sich die Lage stabilisieren wird", sagte Außen-Staatsminister Werner Hoyer vor einem Ministerrat in Brüssel. Eine Ansteckungsgefahr für andere Euro-Länder sehe er nicht, da die Probleme "völlig verschieden seien".

Auch Portugal gefährdet

Die irische Finanzmarktaufsicht kündigte an, dem angeschlagenen Bankensektor mehr Kapital zur Verfügung stellen als eigentlich erforderlich. Damit sollten Sorgen vor möglichen künftigen Verlusten abgemildert werden, kündigte Chefaufseher Matthew Elderfield an. Sofortige zusätzliche Kapitalspritzen könnten zudem bewirken, dass die Banken internationale Kapitalvorschriften schneller einhalten.

Neben Irland gilt vor allem Portugal als gefährdet. Nach Einschätzung von Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker werde "der Funke" aber automatisch nicht auf das ebenfalls schwächelnde Land übergreifen. Die Situation der beiden Länder sei nicht direkt vergleichbar, weil der portugiesische Bankensektor anders als der irische relativ gesund sei, sagte er. Portugal unternehme außerdem große Sparanstrengungen, um sein Haushaltsdefizit unter drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zurückzuführen.

Ähnlich drastische Maßnahmen verlangen die internationalen Partner nun auch von Irland . Aus Brüssel und Washington verlautete, dass die Regierung von Ministerpräsident Brian Cowen den Haushalt sanieren, das marode Bankensystem neu ordnen – und die Steuern erhöhen müsste. Insbesondere die europaweit vergleichsweise extrem niedrige Unternehmens- oder Körperschaftssteuer – der irische Fiskus erhebt hier nur 12,5 Prozent – verärgert viele Länder, insbesondere Deutschland und Frankreich. 

Bereits am Wochenende war der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy deutlich geworden: Irland habe bei den Staatseinnahmen mehr Spielraum als andere Länder, hatte er gesagt. Nun erhöht auch die Bundesregierung ihren Druck. "Wir dringen auf ein strenges Reformprogramm ", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Dabei gehe es auch um die Einnahmeseite des irischen Staates. Die Körperschaftssteuer sei einer von mehreren Ansatzpunkten.