Angela Merkel ist um den schwierigen Job nicht zu beneiden. Die Krisenstaaten der Euro-Zone müssen gerettet , die Währungsunion muss grundlegend reformiert werden. Merkel muss in diesem Prozess vorneweg gehen, denn Deutschland ist neben Frankreich eine tragende Säule der Union.

Doch wer voraus geht, macht sich angreifbar. Die Forderung der Kanzlerin nach einer Beteiligung der Gläubiger habe die Märkte verunsichert und die Eurokrise verschärft, lautet der Vorwurf.

Er greift zu kurz. Selbst wenn die Börsen im Moment verunsichert sind: Es kommt darauf an, welche Weichen die Politik auf lange Sicht stellt. Und da hat die Bundeskanzlerin Recht. Bis 2013 gibt es den EU-Rettungsfonds. Spätestens wenn er ausläuft, sind die Banken an den Kosten der Krise zu beteiligen. Es kann nicht sein, dass die Steuerzahler der solide wirtschaftenden Länder dauerhaft die ganze Last tragen müssen. Das wäre sehr kostspielig für Deutschland, und es gäbe einzelnen Euro-Ländern keinen Anreiz, eine vernünftige Haushaltspolitik zu betreiben.

Schon jetzt ist der Öffentlichkeit kaum zu vermitteln, dass Griechenland, Irland und demnächst vielleicht auch Portugal mit Geld aus dem Rettungsfonds gestützt werden und der Bürger fast alleine die Rechnung in Form von drakonischen Sparprogrammen zahlt – während die Banken außen vor bleiben.

In Irland wird das Problem besonders deutlich. Die Misere des Landes resultiert vor allem aus dem Zusammenbruch der irischen Banken , der Staatshaushalt ist nicht das Problem. Ausländische Finanzinstitute haben irischen Banken viel Geld geliehen. Ihre Investitionen werden nun vom Steuerzahler gerettet, sie selbst aber an den Kosten nicht beteiligt. 

Die Banken steckten immer noch in einer tiefen Krise, wenden Kritiker ein. Allein die deutschen Institute sitzen auf rund 100 Milliarden Euro an wackligen Immobilienkrediten. In diesem und im kommenden Jahr müssen jeweils 23 Milliarden Euro abgeschrieben werden, schätzt die Bundesbank.

Das stimmt, es darf aber nicht dazu führen, dass die notwendigen Schritte zu einem dauerhaften Krisenmechanismus unter Beteiligung der Gläubiger unterbleiben. Dadurch würde keine Bank in die Insolvenz getrieben. Wenn es gelingt, die Debatte zwischen den Euro-Ländern möglichst zügig mit einem tragfähigen Konzept zu beenden, wird sich auch die Verunsicherung der Märkte in Grenzen halten.