Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht die von Russland angestrebte Freihandelszone mit der EU skeptisch. "Natürlich unterstützen wir die Idee einer Freihandelszone zwischen der Europäischen Union und Russland", sagte die Kanzlerin. Allerdings wiesen "die Schritte, die Russland in letzter Zeit gegangen ist, nicht gerade in die richtige Richtung".

Zunächst müsse Russland Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) werden. Die Verhandlungen seien zwar ziemlich weit fortgeschritten, aber Russland habe eine Zollunion mit Weißrussland und Kasachstan gebildet. "Das erleichtert uns die Freihandelszone mit Russland und der EU nicht gerade", sagte Merkel. Denn die Frage einer WTO-Mitgliedschaft Weißrusslands und Kasachstans sei noch weniger gelöst als die für Russland.

Die Bundeskanzlerin fügte hinzu, sie höre immer wieder Nachrichten aus Russland, dass Importzölle überraschend mal erhöht und seltener wieder abgeschafft werden. Dies sei mit einer Freihandelszone auch nicht unmittelbar vereinbar. Aber wenn der gute Wille auf der russischen Seite vorhanden sei, könne es im europäischen Interesse natürlich zu einer Freihandelszone mit der EU kommen.

Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hatte sich in der Süddeutschen Zeitung für eine "harmonische Wirtschaftsgemeinschaft von Lissabon bis Wladiwostok" ausgesprochen. Künftig "kämen eventuell auch eine Freihandelszone, gar noch fortgeschrittenere wirtschaftliche Integrationsformen infrage", schrieb Putin in seinem Gastbeitrag.

Am Mittwoch hatte die Europäische Union nach Angaben der EU-Kommission mit Moskau die Bedingungen des Beitritts in die WTO ausgehandelt. Die Delegationen erzielten Einigung über strittige Punkte wie Ausfuhrzölle und Eisenbahngebühren. Russlands Unterhändler Maxim Medwedkow plädierte für einen Abschluss der Beitrittsverhandlungen schon im ersten Halbjahr 2011.

Russland ist die einzige große Wirtschaftsnation der Welt, die bisher nicht der Organisation angehört. Die EU drängt Moskau seit Langem zum Beitritt. Allerdings zeigte der Kreml bisher keine Eile, weil sich vor allem die großen russischen Energiekonzerne bessere Geschäfte versprechen, wenn Russland außen vor bleibt.