Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin hat die Europäische Union aufgefordert, die geplante Liberalisierung des Energiemarktes zunächst mit Russland abzusprechen. Russland sei der größte Energielieferant für die EU, sagte Putin. Es sei daher "gerechtfertigt" zu verlangen, dass die neuen Regeln im "sensiblen Bereich" Energiepolitik mit Moskau abgestimmt würden. Ansonsten drohten ständig "absurde Situationen oder Konflikte, die manchmal aus dem Nirgendwo auftauchen".

Pläne der EU, die Energielieferungen aus Russland zu diversifizieren, kommentierte Putin mit einer Bemerkung, wonach die EU keine andere Wahl habe, als mit Moskau zusammenzuarbeiten. "Was werden Sie nutzen, Feuerholz?" fragte er die Zuhörer und sorgte damit für Lachen. "Sogar dann müssen Sie nach Sibirien gehen, um das Feuerholz zu bekommen."

Russland ist für Europa ein wichtiger Lieferant für Erdgas und Erdöl. Putin hatte die EU-Pläne für eine Liberalisierung des Energiemarktes in der Vergangenheit wiederholt kritisiert. Die Absicht, auch kleineren Unternehmen einen Marktzutritt zu ermöglichen, gefährde die Sicherheit von Lieferungen und führe zu Preissteigerungen. Unter anderem kritisierte er die Reformpläne Litauens, die ein Ende der Monopolstellung des russischen Gasriesen Gasprom als Gasversorger des baltischen Staates bedeuten würden.

Putins Bemerkungen zu Europas Energiepolitik setzen einen Kontrast zu den Annäherungsbemühungen der letzten Tage. Der russische Ministerpräsident hatte sich in der Süddeutschen Zeitung für die Schaffung einer Freihandelszone und eine gemeinsame Industriepolitik mit der Europäischen Union ausgesprochen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Putins Anliegen grundsätzlich positiv bewertet. Allerdings müsse Russland dazu der Welthandelsorganisation (WTO) beitreten und Hemmnisse für europäische Unternehmen abbauen.  

Die Bundesregierung ist skeptisch, ob die Zeit für einen gemeinsamen Wirtschaftsraum schon gekommen ist. Fragen etwa der Menschenrechte oder der deutschen Abhängigkeit von Öl- und Gaslieferungen aus Russland sind nicht geklärt. Am schärfsten formuliert es der deutsche Russlandkoordinator Andreas Schockenhoff (CDU): "Freihandel würde Rechtssicherheit, Investitionssicherheit, ein gemeinsames Wertefundament voraussetzen. Diese Kriterien sind noch nicht erfüllt", sagt er.