Putin reagierte spitz auf Merkels Zurückhaltung: "Es bedeutet, dass Frau Merkel meinen Artikel gelesen hat. Das ist ja an sich schon gut." Er stimme der Kanzlerin in der Einschätzung zu, dass es bei einem solchen Projekt Probleme gebe. Seine Regierung werde daher in den kommenden Monaten auch die Beteiligung ausländischer Firmen an sogenannten strategischen Unternehmen erleichtern, für die eine staatliche Genehmigung nötig ist.

Das von Merkel geschilderte Problem gebe es aber auch in umgekehrter Richtung. Russische Investoren hätten in der Europäischen Union viel stärkere Schwierigkeiten als europäische Investoren in Russland. Als Beispiel nannte er die gescheiterte Übernahme des Autobauers Opel durch den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna und die russische Sberbank. "Die Torpedierung dieses Deals ist eine negative Erscheinung." Russischen Investoren werde oft "die Tür einfach verschlossen". Russland wolle eine "vollformatige Wirtschafts- und Technologiekooperation". Russland und die EU müssten die Sackgasse in eine Zweibahnstraße ändern.

Putin stieß auf die Zustimmung der Firmenchefs von Deutscher Bank, Siemens und Volkswagen, die ebenfalls für eine engere Kooperation mit Russland warben. "Die Chancen in Russland sind riesengroß", sagte Volkswagen-Chef Martin Winterkorn. Siemens-Chef Peter Löscher sagte, für seinen Konzern zähle Russland zu den aufstrebenden Ländern. "Wir sind ganz klar der Meinung, die Chancen überwiegen bei Weitem", ergänzte er.

Der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sprach sich zudem für eine langfristige Integration Russlands in den Euro-Raum aus. "Dass Russland Teil dieses Währungsraums wird, ist schon aus ureigenem europäischem Interesse, wenn man sieht, was sich in Asien entwickelt." Eine Einladung an Russland könne er nur unterstützen, "weil hier die europäische Idee auf dem Spiel steht". Auch Putin hatte gesagt, er könne sich vorstellen, dass auch Russland eines Tages Teil eines europäischen Währungsraums werde.