Im Prozess um die Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom ist der Hauptangeklagte zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Bonn verurteilte den früheren Leiter der Telekom-Konzernsicherheit, Klaus Trzeschan, unter anderem wegen des Verstoßes gegen das Fernmeldegeheimnis. Trzeschan war der einzige noch verbliebene Beschuldigte in dem Prozess. Der 60-jährige Ex-Abteilungsleiter hatte die alleinige Verantwortung für das illegale Ausspionieren übernommen. Er sei im Auftrag von Ex-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke aktiv geworden, um ein Informationsleck aufzuspüren. Einen ausdrücklichen Auftrag für das Ausspionieren habe dieser ihm nicht erteilt.

Das Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Richter Klaus Reinhoff sah es als erwiesen an, dass der frühere leitende Telekom-Angestellte vor fünf Jahren auf der Suche nach einem Informanten im Unternehmen illegal vorging. Die Bespitzelung von Journalisten, Aufsichtsräten und Betriebsräten über Telefonverbindungen sei ein "extremer Angriff auf die Presse- und Informationsfreiheit", hatte Staatsanwalt Ulrich Kleuser in seinem Plädoyer betont. Es sei ein "Super-GAU" gewesen, dass die Telekom über ein Jahr lang missliebige Journalisten habe ausspionieren lassen.

Die Telekom-Spitzelaffäre war 2008 bekannt geworden. Der Konzern hat mittlerweile zugegeben, Telefonverbindungsdaten ausgewertet zu haben, um Informationslecks ausfindig zu machen.

In den Jahren 2005 und 2006 waren mehr als 40 Personen über ihre Telefondaten ausspioniert worden, darunter waren neben Journalisten auch Aufsichtsräte und Gewerkschafter. Es sollte herausgefunden werden, wie Unternehmensinterna an die Presse gelangten. Die Verfahren gegen Ricke sowie gegen Ex-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel wurden schon vor dem Prozess eingestellt. Ihnen konnte laut Staatsanwaltschaft kein Tatverdacht nachgewiesen werden. Die Verfahren gegen zwei weitere Angeklagte, die Klaus T. für das Ausspionieren eingespannt hatte, waren bereits zuvor jeweils wegen geringer Schuld gegen Zahlung eines Geldbetrags vorläufig eingestellt worden.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) zieht nach dem Urteil eine zwiespältige Bilanz: "Die Aufarbeitung der Affäre fällt aus Sicht der Opfer strafrechtlich enttäuschend aus", sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Lothar Schröder. Er gehörte neben weiteren Gewerkschaftern, Betriebsräten, Telekom-Mitarbeitern und Journalisten zum Kreis von mehr als 60 Betroffenen, die illegal bespitzelt worden waren. Den Hintergrund der Aktion habe das Strafverfahren nicht aufgeklärt.

Im Verlauf des Prozesses seien die Vorwürfe gegen den ehemaligen Telekom-Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke und den ehemaligen Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel nicht ausgeräumt worden. Wichtige Zeugen seien nicht vernommen worden beziehungsweise hätten sich auf ihr Recht zur Aussageverweigerung berufen: "Uns fehlt der Glaube, dass es keine Mitverantwortung im Management gegeben hat", sagte Schröder.