Erst defekte Klimaanlagen, nun Triebwerksschäden dank Schnee und Eis . Die Folgen: völlig überhitzte oder unterkühlte Züge, stundenlange Verspätungen oder Zugausfälle. Die Ursache: Viele Experten vermuten diese beim übertriebenen Gewinnstreben der Deutschen Bahn und haben deshalb den alleinigen Inhaber des Konzerns, den Bund, bereits im Sommer dazu gedrängt, auf die ihm zustehende Dividende zu verzichten. Das Geld solle besser in den Schienenverkehr investiert werden.

Der verkehrspolitische Sprecher der SPD, Uwe Beckmeyer, erneuerte nun diese Forderung und verlangte von der Bundesregierung, die Bahn durch die jährliche Gewinnausschüttung nicht zu schwächen. "Das Unternehmen braucht nun jeden Cent, um in besseres Material zu investieren", sagte er dem Tagesspiegel . Deshalb solle der Bund auf das Geld verzichten.

Dieser Forderung ist die Bundesregierung vehement entgegengetreten – und erteilt ihr erneut eine Absage. Die 500 Millionen Euro, die dem Bund zustehen, seien bereits fest zur Haushaltssanierung eingeplant, sagte eine Sprecherin des Verkehrsministeriums. Dieser Posten sei fester Bestandteil im Sparpaket der Bundesregierung. "Insofern ist das ein Posten, an dem wir nicht rütteln können."

Auch Vizeregierungssprecher Christoph Steegmans sagte auf die Frage, ob es Nachverhandlungen geben könne: "Dazu ist alles gesagt." Dies sei eine Entscheidung der Bundesregierung.

Zugleich dringt der Bund angesichts der zahlreichen Ausfälle und Verspätungen auf mehr Investitionen der Bahn. Dies soll auch im Aufsichtsrat besprochen werden, sagte die Ministeriumssprecherin. Verkehrsminister Peter Ramsauer will dazu Mitte Januar im Verkehrsausschuss des Bundestages einen Bericht zu den Auswirkungen des Winterwetters bei allen Verkehrsträgern vorlegen.

Auch Verkehrspolitiker der Opposition, darunter der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, forderten von der Bahn eine bessere Vorbereitungen auf Probleme mit dem Winterwetter . "Die Bahn muss nun alle verfügbaren Züge in Europa leasen oder kaufen, um für 2011 besser gewappnet zu sein und eine größere Fahrzeugreserve zu haben", sagte Winfried Hermann ebenfalls dem Tagesspiegel . Hier gebe es noch ein großes Potenzial. Außerdem müsse die Bahn auf eine Expansion im Ausland wie die ICE-Strecke nach London ab 2013 verzichten, solange sie noch mit Problemen im Inland zu kämpfen habe. "Man kann nicht ins Ausland gehen, wenn man das Alltagsgeschäft nicht im Griff hat", mahnte der Grünen-Politiker.