Das Jahr 2010 war für die Anleger kein Schlechtes. Der Dax steht um fast 20 Prozent höher als zu Jahresbeginn, die amerikanischen Indizes um mehr als 10 Prozent. Wer etwas von den Märkten versteht, dürfte in den vergangenen Monaten einen guten Gewinn erzielt haben. Warum also sollte es im kommenden Jahr nicht so weitergehen?

Zum einen, weil es für Anleger gefährlich ist, Trends einfach nur fortzuschreiben. Zum anderen, weil die Krise noch nicht vorbei ist. Die Entwicklung des Euro Stoxx zeigt das. Der Index, in dem auch die Anleihen der europäischen Sorgenkinder – Spanien, Portugal oder Griechenland – einfließen, hat im vergangenen Jahr verloren, weil die Papiere der Problemstaaten drastisch an Wert verloren. Wäre die Krise schon vorbei, würde Europa auch nicht über die Einführung von Euro-Anleihen diskutieren. Auch müsste die EZB nicht vorsichtshalber ihr Eigenkapital nahezu verdoppeln. Griechenland und Irland sind abgehakt, als nächstes stehen Portugal, Belgien und Spanien auf der Agenda.

Eine Überraschung wäre es hingegen, wenn auch der bisherige Musterknabe Deutschland und sein französischer Nachbar in das Visier der Spekulanten und der Ratingagenturen geraten würden. Nicht, weil die Haushaltspolitik beider Länder unsolide ist. Sondern weil die Rettung anderer europäischer Staaten ein zuvor nicht gekanntes Ausmaß annehmen wird. Das schmälert auch die Kreditwürdigkeit der starken Länder.

Zwar haben die Renditen für Bundesanleihen im vergangenen Jahr historische Tiefstände erreicht. Die langfristigen Zinsen aber steigen. In den Augen einiger Anleger sind deutsche Anleihen nicht mehr so sicher wie noch zu Jahresbeginn. Schwindet das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit Deutschlands, könnte auch die Europäische Zentralbank den Deutschen kaum helfen. Sie kauft derzeit Anleihen von Staaten in Europas Peripherie und hält so künstlich die Zinsen niedrig. Was im Fall von Griechenland oder Portugal geht, funktioniert im deutschen Fall nicht mehr: Das Volumen der hiesigen Staatsanleihen würde die Zentralbank überfordern.

Unwahrscheinlich ist, dass die EZB ihre Politik ändern wird, mit billigem Geld das System zu stabilisieren. Auch die amerikanische Notenbank Fed kann gar nicht anders, als die Märkte weiter mit Liquidität zu versorgen. Fed-Chef Ben Bernanke hat eine neue Runde des quantitative easing ins Spiel gebracht, um die heimische Konjunktur anzukurbeln und die Arbeitslosigkeit im Land zu bekämpfen.