Der mexikanische Präsident Felipe Calderón persönlich gab sich die Ehre und sprach auf dem "Tag des Waldes" in Cancún, vor mehr als 1500 Teilnehmern. Drei Tage später traten, ebenfalls vor großem Publikum, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, Weltbankpräsident Robert Zoellick, Spekulant und Philanthrop Robert Soros sowie Walmart-Chef Rob Walton an die Mikrofone, um gemeinsam mit Staatschefs und Ministern für den Waldschutz zu werben. Auf dem Klimagipfel wird viel Aufwand betrieben, um über REDD zu reden, den geplanten Mechanismus, mit dessen Hilfe die globalen Wälder geschützt werden sollen.

Doch bislang bleibt es bei schönen Worten. In den Verhandlungen selbst ist man mit REDD kaum weiter als zu Konferenzbeginn. Dabei ist der Waldschutz zentral für den Klimaschutz. Je nach Schätzung entstehen 15 bis 20 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen, weil Wälder abgeholzt oder zumindest beschädigt werden. Zugleich nehmen Wälder und die Böden, auf denen sie stehen, weltweit rund ein Viertel aller Treibhausgase auf. Schon in Bali, vor drei Jahren, einigten sich die Teilnehmer der Klimakonferenz darauf, dass Waldschutz wichtig sei. Nachdem die Hoffnung auf eine baldige Fortsetzung des Kyoto-Protokolls im vergangenen Jahr in Kopenhagen scheiterte, will man nun in Cancún wenigstens REDD zu einem guten Ende bringen.

Im Moment aber deuten die Zeichen darauf hin, dass das nicht gelingt. Es gibt mehrere zentrale Fragen, die noch nicht geklärt sind.  

Die Bewohner des Waldes: Was wird aus ihnen?

Indigene Völker sollen gut informiert entscheiden können, ob sie ihre Zustimmung zu REDD in ihren Wäldern geben. Doch in Cancún beklagen ihre Sprecher, sie würden von ihren Regierungen nicht in die Planungen einbezogen, während schon internationale Vereinbarungen beschlossen würden.

Schutzklauseln sollen die Vertreibung der lokalen Bevölkerung aus dem Wald verhindern. Doch sie seien bislang zu vage gehalten, kritisieren Naturschützer. "Manche Länder sehen die Menschen und den Wald vor lauter Kohlenstoff nicht", sagt Rosalind Reeve von der Organisation Global Witness. "REDD muss die starke Verpflichtung enthalten, Rechte und Umwelt zu schützen, zugleich müssen die Mittel zur Überwachung und Kontrolle gegeben sein. Sonst kann REDD mehr Schaden anrichten als Nutzen stiften."

Die Finanzierung: Woher soll das nötige Geld kommen?

Die waldreichen Entwicklungsländer wollen sich dafür bezahlen lassen, dass sie ihre Bäume nicht abholzen und verkaufen, schließlich entgeht ihnen dadurch Einkommen. Institutionen müssen um- und Ressourcen neu aufgebaut werden, um den Wald wirksam zu schützen. Das ist mühsam und kostet Geld. Verschiedene Studien schätzen, dass es ab 2013 zwischen 13 und 33 Milliarden Dollar jährlich kostet, den Ausstoß an Treibhausgasen aus Wäldern zu halbieren. Bislang aber haben die reichen Industriestaaten nur eine Anschubfinanzierung von 4,5 Milliarden Dollar zugesagt, die bis 2012 gewährt werden soll. In Cancún geht es auch darum, wie viel zusätzlich bereitgestellt wird – und ob überhaupt.

Die Verteilung der Mittel: Fonds oder Zertifikatehandel?

Die USA wollen einen Zertifikatehandel ähnlich dem europäischen Emissionshandel etablieren, um REDD-Geld zu den Empfängern zu bringen. Die Europäische Union favorisiert eher einen Fonds – zumindest zunächst. Beide Modelle haben ihre Tücken.

Ist die Klimapolitik noch zu retten? Alles zum Weltklimagipfel in Cancún © Alfredo Estrella/AFP/Getty Images

"Macht unseren Wald nicht zur Ware", fordern Demonstranten in Cancún. Die Fundamentalkritik gegen den Zertifikatehandel wird genährt von der Furcht, ökonomische Mechanismen könnten den Druck auf den Wald und seine Bewohner noch verstärken, statt sie zu schützen. Warum das so sein könnte, legt die britische Rainforest Foundation in einem zwölfseitigen Papier dar, das sie in Cancún verteilt.

Knackpunkt ist die Frage, wie der Preis der Schutzzertifikate festzulegen ist. Bisherige Kalkulationen legen vor allem die Opportunitätskosten zugrunde – das heißt: Wer stark von Abholzung profitiert, soll einen besonders hohen Betrag bekommen, wenn er auf sie verzichtet. Kleinbauern oder indigene Gemeinschaften, die den Wald zum bloßen Lebensunterhalt nutzen, würden somit ihre Schutzzertifikate billiger verkaufen müssen als beispielsweise große Konzerne, die intensiven Holzeinschlag betreiben, fürchtet die Rainforest Foundation . Die Armen gerieten unter Druck, die Reichen machten weiter ihre Geschäfte.