Ob die gut 39.000 Facebook-Mitglieder an diesem Dienstag noch zu ihrer Bank in Frankreich gehen werden? Angekündigt haben sie es jedenfalls: Sie sind der Facebook-Gruppe " Révolution! Le 7 décembre on va tous retirer notre argent des banques! " ("Am 7. Dezember werden wir alle unser Geld bei den Banken abheben!") beigetreten und haben dort "Ich nehme teil" angeklickt. Doch von einer Massenbewegung ist zwischen Straßburg und Bordeaux kaum etwas zu spüren.

Dabei hatte der Aufruf, in Scharen die eigenen Konten zu leeren und damit die Macht der Banken zu brechen, im Vorfeld durchaus für Aufsehen gesorgt. Vor allem, weil der Appell von einem französischen Prominenten stammte: von Ex-Fußballstar und Enfant terrible Eric Cantona. Doch offenbar zögerte der frühere Stürmer von Manchester United selbst damit, dem Finanzwesen sein Privatvermögen zu entziehen: Französischen Medienberichten zufolge hatte der 44-jährige Franzose zwar schon vorige Woche bei einer Filiale der Großbank BNP Paribas in der nordfranzösischen Kleinstadt Albert die Abhebung einer größeren Summe beantragt – bei BNP können spontan maximal 1500 Euro vom Konto entnommen werden.

Doch aufgetaucht ist Cantona in der Filiale nicht. Französische Journalisten warteten den ganzen Tag, bis zum Schließen der Filiale am Abend, vergeblich vor der Bank auf den Ex-Fußballer. Auch andernorts in Frankreich blieb der Sturm auf die Banken aus. "Wir haben keine Veränderung bemerkt", sagte Didier Boriello, Regionalchef der Bank LCL, der früheren Crédit Lyonnais, in Cantonas Geburtsstadt Marseille. Die Bank habe auch keine einzige Anfrage bekommen. Ähnlich wie bei BNP Paribas müssen auch bei anderen Instituten Abhebungen größerer Summen mit mindestens zwei Tagen Vorlauf angekündigt werden. Doch bei den meisten Häusern gingen keine Anträge ein. Es gebe keine außergewöhnlichen Geldbewegungen, hieß es aus mehreren Pariser Filialen. Ähnliches ist auch aus anderen Geldhäusern in Frankreich zu hören.

Cantona hatte Anfang Oktober in einem Interview zur Revolution gegen die Banken aufgerufen: "Wenn 20 Millionen Menschen gleichzeitig ihr Geld von der Bank abheben, dann bricht das System zusammen", sagte der ehemalige Fußball-Profi. Einen genauen Termin nannte er nicht  – Betreiber der Website Bankrun2010.com hatten Cantonas Aussage aber aufgegriffen und den 7. Dezember als Aktionstag festgelegt.

Ausschnitt aus dem Interview mit Eric Cantona

Der Aufruf stieß zwar durchaus auf Interesse, beteiligen wollte sich aber kaum jemand. "Das ist interessant, aber ich glaube nicht, dass das machbar ist", meinte ein 47-jähriger Gastwirt. "Ich weiß nicht, wo man das Geld dann hintun soll." Hierfür hatte die Gruppierung " Sauvons les riches! " ("Lasst uns die Reichen retten!") aus Anlass von Cantonas Aufrufs einen Vorschlag gemacht. Mehrere Mitglieder der Gruppe erschienen am Dienstag, als Sträflinge verkleidet, in einer Pariser Filiale der Société Générale, hoben ihr Geld ab und deponierten es bei einer anderen, ethisch agierenden Bank. Ihr Ziel sei nicht, das Bankensystem zusammenbrechen zu lassen, sagte einer der Organisatoren. Es solle lediglich besser funktionieren.

Finanzwelt und Politik kritisierten dagegen Cantonas Aufruf: Der einstige Star von Manchester United verbreite nur Unsicherheit, sagte der Generaldirektor von BNP, Baudouin Prot. Wirtschaftsministerin Christine Lagarde empfahl Cantona, sich aus Dingen herauszuhalten, von denen er keine Ahnung habe. "Cantona als Finanzberater, das ist wirklich nicht sehr seriös", kommentierte Haushaltsminister François Baroin. Der Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, sagte, auch er hege "gegenüber dem Finanzsektor gemischte Gefühle", aber die von Cantona gestartete Aktion sei "vollkommen unverantwortlich".

Cantonas Aufruf kam in Frankreich jüngst ohnehin ins Gerede, nachdem bekannt wurde, dass seine Frau in einem Werbefilm für die Bank LCL auftrat. Die Mitorganisatorin der Aktion, die belgische Drehbuchautorin Géraldine Feuillien, wollte zunächst keine Angaben zum Erfolg des "Bank Run" machen.