Bereits am 22. Dezember starb Schürer in einem Berliner Pflegeheim, teilte der Verlag Edition Ost in Berlin unter Berufung auf die Witwe des Wirtschaftsplaners mit.

Der Ökonom Gerhard Schürer war von 1965 bis 1989 Vorsitzender der Staatlichen Plankommission der DDR . Zudem gehörte er seit 1973 als Kandidat des SED-Politbüros der DDR-Führung an. Eine steile Karriere, lernte der 1921 in Zwickau geborene Schürer doch zunächst Maschinenschlosser. Im Krieg war er Fluglehrer sowie Kraftfahrer. 1948 wurde Schürer SED-Mitglied und studierte in den Folgejahren an der Industrieverwaltungsschule in Mittweida sowie Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften in Moskau.

Bekannt wurde Schürer vor allem durch den Bericht zur wirtschaftlichen Lage der DDR von 1989. Nach dem Sturz Erich Honeckers hatte ihn dessen Nachfolger Egon Krenz in Auftrag gegeben. Auch Außenhandelsminister Gerhard Beil und Staatssekretär Alexander Schalck-Golodkowski schrieben an dem Papier mit. Der geheime "Schürer-Bericht" zeichnete auf 24 Seiten die desolate Lage der DDR-Wirtschaft nach. Die Autoren drängten den Staat zu einer Wirtschaftsreform. Wegen der hohen Staatsverschuldung sagte das Papier einen Staatsbankrott binnen Jahresfrist voraus.

Nach der Regierungsbildung durch Hans Modrow blieb Schürer zunächst auf seinem Posten. Vor der DDR-Volkskammer übernahm er eine Mitverantwortung für die Überzentralisierung von Leitung und Planung in der DDR. Für seine Mahnungen zu Reformen sei Honecker unempfänglich gewesen. Die SED-Nachfolgepartei PDS zog Schürer Ende Januar 1990 aus der Regierung zurück.