Helmut Schmidt appellierte in der ZEIT, deren Herausgeber er ist, dennoch für eine Rettung des Euros. Daran gehe kein Weg vorbei. "Wer in dieser Lage lediglich taktiert und finassiert, wer gar jedwedes Auseinanderfallen des Euro-Verbundes öffentlich diskutiert, dem fehlt jede Weitsicht", schreibt Schmidt. Allein die bloße Absicht der Wiederherstellung nationaler Währungen würde sogleich einige südeuropäische Währungen ins Bodenlose abwerten.

Eine wiederhergestellte D-Mark würde zwar kolossal aufgewertet, aber damit den deutschen Export schwer behindern. So würde der "hohe soziale Wohlstand und ungezählte deutsche Arbeitsplätze vernichtet", warnt der einstige SPD-Politiker. Er fordert daher "ziemlich unkonventionelle Reparaturen".

Eurokrise - Helmut Schmidt über die Rettung von EU-Krisenländern Deutschland sollte ein ernstes Interesse an der Rettung europäischer Krisenländer haben. Helmut Schmidt im Gespräch mit Josef Joffe. Aufzeichnung vom Deutschen Wirtschaftsforum in Hamburg vom 10.12.2010

"Selbstverständlich werden die notwendigen Reparaturen abermals Geld kosten. Selbstverständlich werden sie insbesondere uns Deutsche abermals viel Geld kosten", glaubt er. Weil die Deutschen aber in der Vergangenheit "erheblich zum Unfrieden in Europa und in der Welt beigetragen" hätten, müssten sie nun "auf eine ganz andere Weise dazu beitragen, dass die Schrecken der Vergangenheit sich nicht wiederholen können. Dafür sind weitere Opfer an Souveränität und an Geld geboten".

Zwischen Deutschland und anderen EU-Staaten gibt es im Moment Streit um den Kurs in der Euro-Krise. So spricht sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gegen die sogenannten Euro-Bonds aus, also die Einführung gemeinsamer Anleihen der Euro-Zonen-Staaten. Luxemburg will durch dieses Instrument angeschlagenen Ländern wie Irland und Portugal die Kreditaufnahme an den Märkten erleichtern. Merkel will am Vormittag im Bundestag ihre Strategie für den EU-Gipfel in der kommenden Woche erläutern.

Schmidt schreibt vor diesem Hintergrund, es sei auch das strategische Interesse der Bundesrepublik, "auf kleine national-egoistische Vorteile zu verzichten": "Auf lange Sicht trägt Deutschland einen hohen Anteil an der Verantwortung dafür, dass die europäischen Staaten zu einem ökonomisch handlungsfähigen Verband zusammenwachsen. Dazu ist allerdings weder ein deutscher Oberkommandierender, noch ein deutscher Schulmeister nötig, denn er würde die anderen Kapitäne nur befremden und abschrecken. Wohl aber müssen die deutschen Politiker den Bürgern erklären, dass wir und warum wir Deutschen Opfer zu bringen haben", betont der Altkanzler.