Die Banken am Ende, der Haushalt unter EU-Kontrolle – und die Zinslast steigt immer weiter: Das schuldengeplagte Irland steckt derzeit in einer schweren wirtschaftlichen und politischen Krise, der die Regierung in Dublin mit einem rigiden Sparhaushalt und Neuwahlen entkommen will. Die Finanzmärkte goutieren diese Anstrengungen aber offenbar nicht: Fitch Ratings, neben Moody's und Standard & Poor's die bedeutendste Ratingagentur der Welt, hat die Bonität des Landes noch einmal herabgestuft.

Wie die Agentur mitteilte, bewertet sie die Kreditwürdigkeit Irlands nun nicht mehr mit "A+", sondern nur noch mit "BBB+". Fitch begründete den Schritt mit den zusätzlichen Kosten für die Restrukturierung und Stützung des Bankensystems. Zugleich verwiesen die Analysten auf die schwächeren Wachstumsaussichten des Landes infolge der jüngsten Intensivierung der Finanzkrise.

Damit muss sich die Regierung von Ministerpräsident Brian Cowen darauf einstellen, dass die Refinanzierung an den Finanzmärkten noch teurer wird. Durch die Herabstufung der Bonität zahlen die Iren eine höhere Risikoprämie, sprich höhere Zinsen, falls sie neue Staatsanleihen am Markt platzieren und sich so mit zusätzlichem Kapital ausstatten wollen. So verlangen die Investoren für irische Staatsanleihen bereits jetzt schon hohe Risikoaufschläge: Üblich ist derzeit eine Rendite von rund acht Prozent, während etwa Deutschland für seine Anleihen nur rund drei Prozent Zinsen zahlt.

Freuen dürfte Irland eine weitere Entscheidung von Fitch: Die Ratingagentur stufte den Ausblick für die Insel als "stabil" ein. Die Risiken für den Wirtschaftsausblick seien in etwa ausgewogen, hieß es. So sei die Neuausrichtung des Wachstums in Irland auf einem guten Weg. Allerdings belastete das Sparprogramm die Konjunkturaussichten.

Es ist die zweite Verringerung der Bonitätsnoten von Fitch innerhalb von drei Monaten: Im Oktober waren die Ratings wegen der hohen Kosten für die Bankenrettungen im Lande reduziert worden, der Ausblick wurde auf "negativ" gesetzt. Kurz zuvor hatte die irische Zentralbank mitgeteilt, dass die Anglo Irish Bank mit fast 30 Milliarden Euro, im schlimmsten Fall sogar mit knapp 35 Milliarden Euro gerettet werden muss.

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten . Für ihre Einstufungen verwenden Fitch, Moody's und Standard & Poor's Buchstabencodes. Die Skala beginnt beispielsweise bei Standard & Poor's und Fitch mit der Bestnote AAA (englisch: Triple A). Es folgen AA, A, BBB, BB, B, CCC, CC, C. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab BB+ beginnt der spekulative Bereich, der auch Ramsch (englisch: Junk) genannt wird. Die Skala reicht bis D – das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist.