Spaniens Fluglotsen haben sich mit ihrem Streik den Zorn von Politik, Wirtschaftsverbänden und Bevölkerung zugezogen. Zum ersten Mal in der Geschichte der spanischen Luftfahrt brachten sie den gesamten Flugverkehr des Landes 24 Stunden lang zum Erliegen und lösten damit ein beispielloses Chaos aus. Urlauber campierten in der Nacht zum Samstag in den Abfertigungshallen der Flughäfen von Madrid, Barcelona oder Mallorca. "Ich fühle mich als Geisel genommen", beklagte sich auf dem Flughafen von Palma ein junger Mallorquiner, der in Madrid die Fußballer von Real sehen wollte. In einem Hotel am Madrider Flughafen, in dem die Streikführer über ihre Strategie berieten, kam es beinahe zu Handgreiflichkeiten zwischen Lotsen und gestrandeten Passagieren. "Ihr habt uns unsere Ferien versaut", bekamen die Streikenden zu hören. "Ihr solltet alle entlassen werden."

Der Ausstand traf in Spanien mehr als 600.000 Passagiere und wirkte sich in ganz Europa aus. Auch rund 14.000 Gäste deutscher Reiseveranstalter saßen auf den spanischen Flughäfen fest. Der Reiseveranstalter Thomas Cook will bis spätestens Dienstag rund 3500 von ihnen nach Deutschland ausfliegen. Die Fluglinie Air Berlin setzt eigenen Angaben zufolge Sondermaschinen ein, um ihre Kunden so schnell wie möglich zurück nach Deutschland zu bringen. Auch Maschinen aus Österreich und der Schweiz seien im Einsatz.

Doch auch wenn sich die Lage an den Flughäfen langsam normalisiert: Für Spanien dürften die Folgen des wilden Streiks damit noch nicht ausgestanden sein. Denn der Ausstand hätte kaum zu einem ungünstigeren Moment kommen können. Das Image des Landes ist in Wirtschaftskreisen ohnehin angekratzt. Spanien steckt tief in den Schulden , und hartnäckig halten sich Spekulationen, es könnte ähnlich wie Griechenland oder Irland zur Rettung seiner Staatsfinanzen die Hilfe der EU benötigen.

"Das Chaos hat dem weltweiten Ansehen Spaniens einen schweren Schaden zugefügt", beklagten der spanische Arbeitgeberverband CEOE und die Vereinigung der Hoteliers in einer gemeinsamen Erklärung. Wie groß der Schaden tatsächlich ist, kann aber niemand genau angeben. Das Institut für Wirtschaftsstudien schätzte die Summe auf insgesamt etwa 400 Millionen Euro. Die Fluggesellschaften, die wegen des Streiks 4400 Flüge streichen mussten, erlitten laut einer inoffiziellen Schätzung einen Verlust von 80 Millionen Euro.

Unmittelbar betroffen ist auch die Tourismusbranche. Der Verband der spanischen Reisebüros (AEDAVE) bezifferte die Einbußen auf 250 Millionen Euro. November und Dezember sind für die spanische Reisebranche normalerweise zwar Flaute-Monate. Am Wochenende erhofften die Hoteliers und Reisebüros sich jedoch ein gutes Geschäft: Der Montag und Mittwoch sind in Spanien Feiertage, so dass viele Spanier das verlängerte Wochenende zu Mini-Ferien nutzen wollten. Ein großer Teil von ihnen musste jedoch auf den Ausflug ans Meer oder auf die geplante Städtereise verzichten, weil die Flughäfen gesperrt waren.

Der Tourismus ist die große Hoffnung der spanischen Wirtschaft. Er ist einer der wenigen Bereiche, die ein Wachstum verzeichnen können, und obendrein mit einem Anteil von elf Prozent am Bruttoinlandsprodukt ein ökonomischer Grundpfeiler des Landes. Wenn es einen Zweig in Spanien gibt, der der Wirtschaft nach dem Zusammenbruch der Immobiliebranche wieder zu einem Wachstum verhelfen kann, ist es der Tourismus.